Dienstag, 23. Dezember 2008

weisse Weihnachten

Vielleicht haben wir morgen oder übermorgen Schnee, yipihhh!!!

Es ist so kalt, vom Gefühl her könnte es kalt genug sein für Schnee, Wolken gibt es auch, der Schnee muss also nur noch runter kommen.



Sieht man auf dem Bild wie kalt es ist? Wenn nicht auf dem ersten, dann vielleicht auf dem zweiten ;-) Zählt mal die Schichten, die ich an hab ausnahmsweise darf man mir in den Ausschnitt schauen ;-)

Sonntag, 21. Dezember 2008

christmas or what?

sitting in my sleeping back, it s cold but I had a nice day.
Went to church these morning, to the Dormition Aby in Jerusalem. It was a nice service, like last weak when a friend of mine convinced me to go. I cant really agree with all the content, might be of the catholic way of interpretation but still it s nice to hear the Bible and some singing. It reminds at the time in the Dome Choir in Fulda. Anyway it s some how a possibility for me to get calm and sit back a little and find some outside position to observe myself and the situation I am in, in that country.

Than we had some nice good by meal, the friend I went to the church with is leaving. We had some last conversation about our experience here, mainly about trust or distrust, saying the truth (at least our truth) or only parts of it or lying, when does lying start, where does it end and how can a society function in which at these questions play a big role and take a huge part of daily conversations. Questions Questions and again Questions - but they come only because you start of getting quite deep into society but nevertheless you are still discovering more and more every day. It might be only the short view in to someone's eyes on the street, a sentence you read in a book, a handshake with a friend or what ever.
And I got my first Christmas present ... but I didn't open it, still some days to go ;-) But it looks every where as if Christmas is coming, at least here in Ramallah and Jerusalem ... I don't want to write about other places at the moment ... yesterday some people put up a stage at the Manara Square in the city centre, closed the roads towards it and played some "lovely" Christmas carols. In the evening I went with some friends to a nice Baroque music concert in the Latin Patriarch Church in Ramallah. Really nice, at least if you like classical music. Especially nice was the viola concert in E flat Major by Bach. Why was it nice? Because I am at least sometimes playing the viola too.

I wondered a little about the two comments ... seeing nearly all the other post without a comment and getting than comments on such a nonsense post like the last one ... feels strange here ... but don't worry better any comment than none ;-) (M. and C. I hope you don't mind ... thx anyway for the comments ;-) )

Lets see what the next days will bring, hopefully I gone meet an old friend tomorrow which I didn't saw since quite some time. inshalla as we say :-) The funny thing when I phoned him today was, he thought that an Arab is calling him. Seemingly my Arabic pronunciation isn't to bad :-)

If that should be my last post before Christmas:

Happy Christmas

Freitag, 19. Dezember 2008

Nutella

Die letzten Tage hatte ich ein Problem ... dass Nutella war so hart, dass ich beim versuch es zu verstreichen jedesmal mein Brot zerkleinert habe ... es ist so kalt hier in der Wohnung, dass das Nutella einfach verdammt hart wird.
Aber klein Lukas ist ja nicht blöd ... er schaltet den Gasherd ein und dreht das Glas ein paar mal bis das Nutella flüßig ist bzw die richtige Konsistenz hat :-)

Tja, solche Geschichten beschäftigen mich hier auch :-)

Freitag, 5. Dezember 2008

Gaza und Sderot auf arte




Ein interessanter Schriftverkehr zwischen verschiedensten Menschen don't say we did not know und noch weitere Einträge by Amos Gvirtz

Donnerstag, 4. Dezember 2008

?

I don't know what to write, just as I am starting to write I am watching the news and seeing about the eviction of settlers from a house in Al Khalil/Hebron. I should write about that, but what could I say? The Israeli government and its security forces are unable to control the settlers, especially because they are armed and shoot at anyone they want. The Israeli supreme court ruled out that the "house of peace" should be evacuated until another court can decide who owns the house. The settlers claim that they bought from a Palestinian which says that he stepped back in the final negotiations.
Keep in mind, that you have a population of about 60.000 Palestinians living in Hebron, around 400 to 500 settlers living in the city centre which are protected by about normally 2500 soldiers. The settlers claim to live in the city because of the patriarchs graves which are lying under the Ibrahimi Mosque.
SZ zur Lage in Hebron.

Eigentlich
wollte ich über meine letzten Tage schreiben, aber die Geschehnisse machen es schwer. Die Situation im Gazastreifen ist unverändert, nur Journalisten dürfen wieder in den Streifen und angeblich medizinisch wichtige Fälle haben die Möglichkeit aus oder in den Gazastreifen zu kommen. Heute war in Ramallah eine winzig kleine Demonstration, die auf die Situation in Gaza aufmerksam machen sollte. Die Palästinenser waren sehr enttäuscht, dass nur so wenige Menschen gekommen sind, insgesamt waren wir vielleicht 100 oder 120 Menschen, auch ein ganzer Schwung Internationale.
Hier ein Bild davon

Von Mix


Eines der Poster scheint die Ankündigung der UN zum 60 jährigen Bestehen der Menschenrechtserklärung zum Anlass zu nehmen, nochmal darauf hinzuweisen, dass Aktionen mehr zeigen als Worte und fordert endlich ein Handeln entsprechend der weitreichenden Erklärungen. Deswegen sind wir im Rahmen der Demo auch zum Büro der Europäischen Union und zum Büro der UN in Ramallah gezogen um dort unsere Forderungen nach politischen Aktionen gegen die Abriegelung des Gazastreifens vorzubringen. Hoffen wir dass es etwas bringen wird.

Von Mix

Wie ihr aus den vorigen Sätzen entnehmen könnt bin ich gut wieder in Ramallah angekommen. Meine Sorgen über den Grenzübertritt haben sich in Luft aufgelöst. Wahrscheinlich nicht zu letzt weil ich ihnen eine schöne Geschichte aufgetischt habe. Ich sagte dass ich meine lieben Freunde in Israel besuchen gehe, sie wollte dann eine Telefonnr sehe, gut dass ich irgendeine Nr hatte die ich ihnen zeigen konnte. Außerdem ist Weihnachten im Heiligen Land ja auch so besonders wichtig, deswegen habe ich meinen Flug umgebucht. Als sie danach fragten ob ich nach Betlechem, Schechem, Ramallah oder Nablus gehen würde, habe ich sie nur blöd angeschaut und gefragt ob das nicht gefährlich sei. Mein Gesichtsausdruck scheint das richtige ausgedrückt zu haben. Ein bisschen nervös wurde ich dann, als sie ein biometrisches Foto von mir gemacht haben und meine Fingerabdrücke nahmen, wer was passiert wenn sie mich mal auf einer Demo fotografieren und mich dann zuordnen können. Vielleicht sollte ich auf der nächsten Demo auch das typische Pali Tuch um meinen Kopf binden :-)

Amman als Stadt hat mich nicht wahnsinnig beeindruckt, vielleicht war ich auch voreingenommen, da die meisten meiner Palästinensischen Freunde Jordanien nicht mögen. Das liegt hauptsächlich an der Rolle die Jordanien und sein Einwohner (75% Palästinenser) in dem ganzen Konflikt spielen. Aber das ist ein neues Thema, vielleicht ein anderes mal.
Genossen habe das rumhängen, lesen, Party machen (habe schon lange nicht mehr so viel getanzt, war glaube ich um 5 Uhr erst daheim, auf jeden Fall habe ich noch das Morgengebet des Imman gehört), Leute treffen.
Das Highlight war für mich das Klettern im Wadi Rum.



Das Tal ist der Hammer. Eine Ruhe die habe ich noch nicht "gehört", zumindest nicht in der Natur. Vielleicht hört man einen Vogel oder ein anderes Tier, aber ansonsten nur das knirschen des Sands unter den Füßen, das Atmen. Die Steine und Felsen findet man in jeglicher Formation, einzelne Büsche suchen ihren Halt im Sand und die Sonne zaubert vielfältigste Schatten in die Landschaft.

Von Mix

Ein paar Tage bevor ich nach Amman gegangen bin war mit einer Freundin im Wadi Quelt, welches Jerusalem mit Jericho verbindet. Ebenfalls ein tolle Gebiet, besonders zum Wandern. Das besondere dort ist, das es ein uraltes Wassersystem gibt, welches Wasser nach Jericho transportiert, an manchen Stellen ist es nicht mehr ganz dicht, dort entstehen dann solche Flecken.

Von Mix

Heute war ich mal in Jerusalem, nicht lange, irgendwie zieht es mich nicht so dort hin, zumindest nicht im Moment. Ich habe nach ein paar Büchern geschaut und dann witziger Weise gerade eines in der Hand gehalten "An Israeli in Palestine" by Jeff Halper, als der Autor selber in den Laden kam. Habe es mir dann gleich mal signieren lassen. Ich habe ihn vor 5 Jahren getroffen, als ich das erste mal hier war. Halper works for the Israeli committee against house demolition

Noch zwei Links aus der Süddeutschen Zeitung, einer über Hebron und einer über Palästinenser in Israel Danke M für den Tipp

Das soll mal reichen für heute, schaut fleißig Nachrichten und überlegt mal was in der Welt mit Menschen passiert. Haben wir damit etwas zu tun?

Mittwoch, 26. November 2008

Children of Gaza

Wahrscheinlich wird es einige erschrecken dass ich ein solches Video von Aljazeera auf meinen Blog stelle. Ja ich verurteile Selbstmordatentatte gegen Zivilisten in Israel. Innerhalb der Waffenstillstandslinie von 67 gegen Militär bezeichne ich sie als Form des Wiederstands. Nicht dass ich hier irgendeine Form des Tötens rechtfertige oder für gut erkläre, aber welche Form des Wiederstands haben die Menschen die keine Armee haben, die sie beschützen kann, wenn viele gewaltfreie Aktionen zu nichts geführt haben. Ich weiß es ist ein verdammt schweres und kompliziertes Thema, aber dieser Film könnte ein klein wenig mehr Licht in die Art und Weise bringne, wie Kinder in Gaza aufwachsen.



Hier der zweite Teil des Videos, es geht mehr um Kinder und ihre Situation.

Montag, 24. November 2008

update about Gaza

Heute durften wieder einige LKW in den Gazastreifen, nach dem der internationale Protest in den letzten Tagen zu genommen hat. Aber verglichen mit den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen dort, ein Tropfen auf den heißen Stein.

Damit es nicht einseitig wird und ihr noch die Möglichkeit habt, andere Quellen anzuschauen, hier noch ein paar Links. Vor allem weil ich gestern einen wichtigen Aspekt ziemlich vergessen habe, den Ausschluss der Medien.

Dan Ming

Yasmin Alibhai-Brow writting for The Independent

a mother from Gaza

contemplating from Gaza

Sonntag, 23. November 2008

life under occupation

Leben unter Besatzung, hört man das Wort Besatzung noch in der Berichterstattung über Palästina in der ausländischen Presse? Ich kann mich nicht daran erinnern dass ich es in der letzten Zeit gelesen oder gehört habe. Selbst zu einer Zeit, während die Zustände im Gazastreifen unbegreiflich werden, in Jerusalem und Umgebung Häuser zerstört werden und überall in der Westbank Menschen festgenommen werden (ca. 70 in diesem Monat)
Ein paar Worte zu der Situation in Gaza.
Seit dem 4.11.08 ist der 1,5 Mill. Menschen fassende Streifen von der Außenwelt quasi abgeriegelt. 30 LKWs mit Lebensmitteln und Medikamenten durften am 17.11.08 Grenzposten passieren. Vor der Blockade haben täglich ca. 1000 LKWs verschiedenste Produkte in den Gazastreifen gebracht.
Hier eine Tabelle von Oxfam, die den tatsächlichen Bedarf an Kraftstoff ermittelt der für den Verkehr, das Kraftwerk (zur Stromerzeugung) und Gas für privat und z.B. Bäckereiverbrauch benötigt wird.



Kraftstoff ist ein sehr wichtiger Punkt, denn ca. 33% des Stroms in Gaza müssen von einem Kraftwerk produziert werden, 7% des Bedarfs kommt aus Ägypten und 59% aus Israel. Da aber seit den letzten 19 Tagen nur einmal Kraftstoff in den Gazastreifen gebracht werden konnte, kam es gestern zum ersten kompletten Stromausfall im Shifa Krankenhaus, Gazas größtem Krankenhaus. Aufgrund eines Problems mit dem Notstromgenerator haben Beatmungsgeräte, Blutpumpen und ähnliche Geräte für die intensiv Medizin versagt. So mussten einige Patienten manuell beatmet werden. 160 Medikamente sind ausgegangen, 120 sind am zuneige gehen.

Mittlerweile sind alle Getreidevorräte aufgebraucht die zum Brot backen bestimmt waren. Es wird auf Getreide zurück gegriffen, was als Futtergetreide für Tiere bestimmt ist. 50% der Getreidemühlen haben geschlossen, weil es entweder keinen Strom oder kein Getreide mehr gibt.
UNRWA (UN Relief and Workers Agency for Palestinian Refugees in the Near East) sagt es wird innerhalb der nächsten Tage keine Lebensmittelvorräte mehr haben. Ca. 50% von Gazas Bevölkerung ist abhängig von der Lebensmittelverteilung der UN.

Die Zahlen sind von BBC Al Jazeera und Maan News

Genug Zahlen, das wichtigste ist allerdings, dass man sich daran erinnert, dass hinter jeder Zahl ein Mensch steht, sich ein Schicksal befindet. Für jeden LKW der nicht die Checkpoints passieren kann, stehen im Moment Menschen hungrig auf, wissen nicht wie sie Menschen im Krankenhaus versorgen sollen, wissen nicht wie sie Brot kaufen können, selbst wenn es welches gäbe, da sie keine Arbeit haben und damit kein Geld.

Das
Leben unter Besatzung aus persönlicher Sicht?
Zwei unterschiedliche Aussichten von dem Dach meiner Wohnung. Wahrscheinlich auf den ersten Blick nicht besonders, aber wenn man weiß um wessen Häuser es sich handelt, verändert sich die Perspektive.

Häuser von Siedlern, ca. 200m von Ramallah entfernt.



Häuser in Ramallah.



Warum
sage ich, dass es einen Unterschied zwischen Siedlungshäusern und Häusern in Ramallah gibt? Schaut euch die Karte an, bläuliche Farben sind Siedlungsflächen, braune Farben stehen mehr oder weniger unter Palästinensischer Kontrolle. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als ob die Palästinenser die größte Kontrolle hätten. Dem ist leider nicht so. Generell kommt die Armee nachts in die Städte und tut was immer sie will. Schaut man genauer hin, sieht man, dass es zwei bläuliche Schneisen von West nach Ost gibt, so dass es ein leichtes ist, die nördliche Westbank von der zentralen und diese von der südlichen abzuschneiden.
Wer die Karte in besserer Auflösung sehen möchte kann auf die Karte klicken und sie runter laden.



Was bedeutet das für mich? Es gibt eine ganze Menge Gebiete, in die ich nicht darf, weil ich mich mit palästinensischen Verkehrsmitteln bewege und diese sind an ihren grünen Nummernschildern erkennbar, die nicht in Siedlungsnähe dürfen. Abgesehen davon sind Siedlungen unter internationalem Recht illegal. Als Beleg dafür sollte man sich den Artikel 49 der vierten Genfer Konvention anschauen: "Die Besetzungsmacht darf nicht Teile ihrer eigenen Zivilbevölkerung in das von ihr besetzte Gebiet deportieren oder umsiedeln." Wenn ihr sagt, dass ist aus dem Zusammenhang gerissen, dann schaut euch die Genfer Konvention selber an

Wenn wir schon bei offiziellem und internationalem Recht sind, dann hier auch noch UN Resolution 194 und 181 neben tausenden anderen. Resolution 194 versichert das "Recht der Flüchtlinge auf Rückkehr oder Entschädigung". Die Resolution wurde auf der Generalversammlung am 11. Dezember 1948 verabschiedet. Resolution 181 beschreibt die Teilung des ehemaligen britischen Mandatsgebietes für einen israelischen und einen palästinensischen Staat. Resolution 242 ist die folge Resolution zu 181 und fordert den Rückzug israelischer Streitkräfte aus (den) Gebieten, die im jüngsten Konflikt besetzt wurden, verabschiedet vom Sicherheitsrat am 22. November 1967.

Das mag theoretische klingen, aber was bedeutet das konkret für Menschen hier? Der Teilungsplan von 1948 in Resolution 181 hat ein Verhältnis von ca. 55% für Israel und 45% für Palästina vorgesehen. 1967 blieben von den 45% noch 22% für einen palästinensischen Staat übrig, mittlerweile sind aus diesen 22% je nach Quelle zwischen 10% und 15% geblieben, die für einen pal. Staat zur Verfügung stehen. Verständlicher weise ist so ein Staat nicht akzeptierbar, da viele der lebenswichtigen landwirtschaftlich genutzten Flächen unerreichbar oder mit Siedlungen bebaut sind.
Das führt zu den eigentlich leicht nachvollziehbaren Forderungen der Palästinenser, dass es keinen Staat geben kann, dessen Grenzen nicht der Waffenstillstandslinie von 1967 folgen. Die Endverhandlungen müssen einhergehen mit der Anerkennung der ethnischen Säuberung von 1948 die bis heute anhält, mit dem generellen Rükkehrrecht der palästinensischen Flüchtlinge, der Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt und der Kontrolle von Land und Wasserrechten und der totalen Räumung der Siedlungen. Bevor diese Prinzipien, basierend auf internationalem Recht, nicht anerkannt sind, werden alle Verhandlungen zu dem führen, zu dem sie bis jetzt geführt haben. Zu einer "Normalisierung" der Besatzung und einer Verschlechterung der Lebensbedingungen der Menschen die hier Leben.
In der praktischen Umsetzung gibt es dann Möglichkeiten zu diskutieren, was man mit den Siedlungen macht, mit der Verwaltung des Wassers usw.

Ich bin gespannt was ein Staat wie Israel noch für Einfälle hat um das Leben seiner Einwohner und seiner Nachbarn schwerer zu machen. Die Äußerung von Livni über die Anti-Rassismus Konferenz der UN ist vielleicht ein deutliches Zeichen, um was für einen Staat es sich hier eigentlich handelt. maan news schreibt über ihre Äußerungen zu der Konferenz.

Montag, 17. November 2008

Semester geht zu ende

Gerade habe ich genug an meiner Hausarbeit geschrieben, sie hat den wunderbaren Titel

"Palestinian Women – a socio economic view" Bin dabei eine Brücke zu schlagen zwischen persönlichen Erfahrungen mit Frauen, ihrer Arbeits- und Familiensituation und empirischen Daten die ich in Büchern und im Netz gefunden habe. Bin gespannt was mein Prof dazu sagt.
Eine zweite Hausarbeit steht an, im Fach "the Palestinian question", dafür habe ich allerdings noch kein konkretes Thema, aber das wird sich hoffentlich in den nächsten zwei Tagen ändern. Schließlich müssen beide Arbeiten bis Mo. oder Di. nächste Woche fertig werden.

Dann stehen noch zwei Arabisch Tests an, ein mündlicher im arabischen Ramallah Dialekt (Amir - ist die Bezeichnung für das gesprochene Arabisch) und ein schriftlicher im offiziellen Hocharabisch (Fusha). Ja, vielleicht vermutest du richtig, es gibt einen sehr krassen unterschied zwischen Amir und Fusha, die Menschen auf der Straße lachen, wenn man in Fusha mit ihnen redet und wenn man versucht mit Amir Kenntnissen eine Zeitung zu lesen, dann kommt man nicht weit. Am ehesten kann man das vielleicht mit Schweizer-Deutsch und Hochdeutsch vergleichen, wobei der Unterschied im Arabischen noch Größer ist. Vielleicht kann ich mal ein Bsp. geben, wenn man sich sieht.

Morgen haben wir im Kurs "the Palestinian question" a simulation for the final status negotiations of a two state solution for the Israeli Palestinian conflict. I m part of the Palestinian negotiation team. We had some interesting discussions today in our studies office, it seems to get really tens tomorrow. I gone tell you about the outcomes of the discussions.
The key word "tens situation" - the situation in Gaza is pretty tens in these days. The UNRWA which is supplying half of the Gazan population with food couldn't get any food inside the Gaza strip during the last week. Today was the first day, that 33 trucks were allowed to enter the strip and bring some basic stuff into it. A man in TV today said ironical that they probably get only bananas and apples. He was saying it in front of an UN food supply centre with a poster in background stating that the centre is closed because it run out of food. Another important fact about the situation in Gaza, during the last 13 days the Nahal Oz crossing (the one for fuel) was only opened once to new fuel. Fuel is important for the power plant, have of the electricity for Gaza is coming from that plant, the other half from Israel. So quit a lot of people and factory's don't get electricity at the moment. Some of the bakery's needed to shut down because they have no gas left to bake.
In the Westbank everything is normal, always some arrests, some curfews, some injuries at demonstrations and so on. You should have every once and a while a look at maannews to get some kind of picture about life in the occupied territory.

Nächstes Wochenende werde ich mich dann Richtung Jordanien aufmachen, eine Freundin in Aman besuchen und mich ein bisschen in Jordanien umschauen. Bin gespannt ob alles klappt, so wie ich mir das Vorstelle, im Moment scheint Israel sehr strikt mit der Visavergabe zu sein. Einem Kommilitone wurde vor knapp einer Woche die Einreise verweigert, er ist immer noch in Jordanien. Allerdings ist sein Vater Palästinenser, er hat aber einen Amerikanischen Pass. Aber auch das Konsulat in Ramallah meinte, dass es im Moment auch für Deutsche schwierig werden kann. Ich bin gespannt, schließlich muss ich ja wieder zurück, da mein Rückflug von Tel Aviv aus geht.

Einige andere Gedanken geistern in meinem Kopf herum, was muss ich bedenken für meine Bachelorarbeit die ich im nächsten Semester in Fulda schreiben will - mein Thema muss ich Mitte Dezember einreichen. Wie wird mein Praktikum bei IDEM laufen, was ich von Januar bis März machen möchte, bekomme ich dafür Unterstützung vom lieben BaföG Amt, was werde ich dort dann tatsächlich machen?
An meinem kleinen Projekt mit den Kindern und Jugendlichen aus dem Qadorah Camp bin ich weiter am basteln, vier Geschichten habe ich schon bekommen und auch schon jemanden gefunden, die mir beim Übersetzen hilft. Einige Bilder habe ich geschossen, die die Texte begleiten sollen. Allerdings hat sich herausgestellt, dass einige der Mädchen doch nicht mit machen wollen, ich weiß nicht warum, es konnte mir auch keiner wirklich erklären. Jetzt bin ich ein bisschen auf der Suche nach neuen weiblichen Schreibern. Mal sehen, vielleicht finde ich welche an der Uni. Ist mir ziemlich wichtig dass es ein gleiches Verhältnis von Mädchen und Jungen bzw. Männern und Frauen gibt. Das merke ich gerade, wo ich an der Arbeit über Palästinensische Frauen schreibe, sie sind einfach so unterrepräsentiert hier in der Gesellschaft.

Samstag, 8. November 2008

Ueberleben?

Wie komme ich mit den Gedanken und Geschehnisen zurecht, wurde ich gestern gefragt.
Keine leichte Aufgabe und nicht gerade einfach zu formulieren.

Natur hilft mir sehr viel, die Schoenheit kann niemand verdecken, auch wenn die Worte die darueber gemacht werden, nicht gerade diese Friedlichkeit oder Schoenheit respektieren. So kamen wir gestern an einer Quelle vorbei, die in ein grosses Becken gefasst wurde, so das Menschen darin schwimmen koennen. Die israelischen Siedler die darin schwammen meinten, die Palestinenser wuerden darin nur noch ihre Kuehe und Schafe baden. Es sei ein Schande, denn eigentlich sei das Quellwasser zwischen dem Kinneret und Samaria das beste Wasser von Israel. Stellt euch vor diese Geschichte musste ein Palestinenser mit anhoeren, der uns begleitet hat. Sein Land wird verleugnet, seine Menschen werden denunziert.

Von Naturbilder aus Palestina und Israel


Hier ein Bild welches ich gestern aufgenommen habe, eine tolle Farbe haben diese Blueten und erst der Duft.

Von Naturbilder aus Palestina und Israel


Die Olivenbaeume sind fast alle leer gepflueckt und schimmern nun silbern in der untergehenden Sonne, leichtes gruen des Grases kommt wieder zum Vorschein, es hat geregnet und die duerre ist fuer dieses Jahr verwunden. In den Staedten und Doerfern gibt es leider nur sehr wenige Stellen an denen man diese Schoenheit beobachten kann, da der Muell sich oft ueber diese Schoenheit legt.

Ein wiederspruechliches Bild habe ich geschossen. Muell und Reklame, Natur und statische Werbung. Solche Bilder koennte ich hier wohl tausendfach machen. Aber wen interessierts?

Von Naturbilder aus Palestina und Israel


Lachen hilft immer wieder ueber die traurigen Moment hinweg zu kommen.
Einen leckeren Tee oder Kaffe trinken kann Wunder ausloesen.
Ein Blick, ein Laecheln, ein Handschlag, Purzellbaum eines Kindes, Musik, ein schoener Film ... diese kleinen grossen Gesten.
Viele Gespraeche ueber Hoffnung und Aufgabe, Durchhalten und Weitermachen, Besatzung und Freiheit. Eine Aussage ist mir besonders in Erinnerung geblieben, wahrscheinlich kann man sie auch auf die meisten Palestinenser uebertragen. Er sagte, vielleicht gibt es Frieden in einem halben Jahr, in drei Jahren in zehn oder in 50. Um so schneller desto besser, aber ich weiss dass er auf jeden fall kommt und wenn ich ihn nicht mehr erlebe, dann erleben ihn zumindest meine Kinder oder meine Enkelkinder. Hoffnung kann und darf nicht sterben, sie wird nicht sterben, sonst waeren wir keine Palestinenser.

Da kann man dann selber wieder Hoffnung bekommen, auch wenn s manchmal hoffnungslos aussieht.

PS: Danke Jo fuer die Anregung!

Freitag, 7. November 2008

Obama - und jetzt?

Obama wurde vor drei Tagen neuer Präsident der USA - und jetzt? Die Reaktionen hier sind vielfältig, heute war ich einem Resturant, dort hing ein Foto von Obama, sie sind begeistert von ihm, aber die durchschnittliche Meinung ist wohl, dass sich nicht viel ändern wird. Condoleca Rice hat das heute auch gleich klar gemacht, dass es bis Januar nichts neues geben wird. maannews schreibt mehr zu ihrem Besuch bei Abbas.

Zu den Wahlen haben Freunde von mir einige palästinensische Nachrichtenagenturen besucht um zu sehen wie die Ereignisse dort gesehen werden, ich empfehle euch den Artikel sehr, ist interessant - auch die sich anschließenden Kommentare Palestinians on Obama, by Dan and Chloé

Was
ich heute erlebt habe? Nichts wahnsinnig neues, ich war nur mal wieder bei einer Demo, auf die ich nicht gedurft hätte. Israelisches Militär hat mir und zwei Freunden den Zutritt zu dem Dorf verwehrt, aus Sicherheitsgründen. Wir saßen in einem TV Auto des palästinensischen Fernsehens. Wir wollten dann eigentlich ein Stück die Straße zurück laufen, wie das die meisten internationalen machen und durch die Olivenbäume laufen, aber das haben die Soldaten natürlich gesehen und uns zurück gepfiffen und gesagt wenn wir sie uns heute noch mal sehen, dann gehts ins Gefängnis. Keine Sorge, so schnell geht das nicht, dass ist nur eine der typischen Drohgebärden. Nach dem wir dann einen Palästinenser auf der Straße angehalten haben, der uns auf einem Umweg ins Dorf gebracht haben - war ca. 30 min Fahrt - sahen wir gerade wie eine Frau in ein kleines Ambulanzzimmer getragen wurde. Eine Dänin wurde von einem Tränengaskanister am Unterarm getroffen, eine ca. 3 cm im Durchmesser und 1 - 1,5cm tiefe Wunde. Das ist nicht unbedingt etwas ungewöhnliches, für die die noch andere Quellen wollen, schaut bei maannews
Mehr Infos um was es bei den Protesten in Ni'lin überhaupt geht gibt es hier oder hier

Vor
mittlerweile zwei Wochen war ich bei einer anderen Demo. Eigentlich wollten wir nur Oliven pflücken. Wir hatten am Tag zuvor gehört, dass die Bewohner von Kfar Qadum unter erheblichen Angriffen der Siedler leiden und nicht zu ihren Oliven können. Als wir dort ankamen, sahen wir gerade noch, wie der erste Palästinenser mit gefesselten Händen in einen Jeep stieg - er wurde nach zwei Stunden wieder frei gelassen -

Von Demo


die Siedler hatten ihr eigenes Fernsehen dabei, die später aber wohl eher uns filmten wie wir vom Militär zurück auf die Straße gedrängt wurden.

Uns gegenüber standen die Siedlerjungen, komisch als Außenstehender habe ich immer wieder das Bild eines kindischen Katz und Mausspiel. Wenn ich dann aber an die konkreten Auswirkungen für die Menschen hier denke, dann wird klar, dass es das eben nicht ist, sondern dass es um das Recht geht, sein Land bestellen zu dürfen, um das Recht sich zu verteidigen, um die internationale Anerkennung, dass Siedlungen im besetzten Gebiet illegal sind und zwar alle - so steht es in der Genver Konvention, dass Menschen die unter Besatzung leben das Recht auf Verteidigung haben und nicht Terroristen genannt werden, wenn sie die Besatzer mit Steinen angreifen. (Ja ihr denkt wahrscheinlich, der hat seine Objektivität verloren, von der er am Anfang gesprochen hat, nein habe ich, diese Dinge habe ich mit eigenen Augen gesehen und die Geschichten dazu mit eigenen Ohren gehört)

Von Demo


Von Demo

Vergleicht mal diese beiden Bilder und gebt Kommentare dazu ab ... ich bin gespannt.
Kfar Kadum - um was geht es

Gestern
Abend war ich auf einem wunderschönen Brasilianischen Gitarren Quartett Konzert. Das hat gut getan, dieser schwungvollen, ausdrucksstarken Musik zu lauschen. Toll mit was für einer Schnelligkeit die zusammen gespielt haben und doch so Präzise. Dass ganze Theater war total in ihren Bann gezogen, es hier in Ramallah viele Menschen die Verwandte und Bekannte in Brasilien haben.

Am Donnerstag den 30.10. bin ich umgezogen, juhu. Natürlich immer noch in Ramallah, aber in eine richtige Wohnung. Hier ist es etwas wärmer, vor allem sauberer und gemütlicher. Wir müssen nicht mehr draußen sitzen sondern haben unser eigenes Wohnzimmer und ne richtige Küche.

neue Wohnung


Der einzige Nachteil ist, es ist jetzt wesentlich weiter bis zu den Taxis zur Bir Zeit Uni, obwohl vielleicht auch nicht, so laufe ich wenigstens jeden Morgen ca. 20 min bis zum Taxi, dass ist eigentlich auch nicht schlecht, da ich danach ja den ganzen Tag sitze.

Letzten Freitag war ich mit Freunden Oliven pflücken. Wow ich hatte meinen Spaß, vermisse hier ein bisschen die Möglichkeit Fahrrad zu fahren oder zu klettern oder im Hochseilgarten zu arbeiten - ja Volkersbergler ihr hört richtig :-) Aber ich bin dann mit einigen Jugendlichen den Berg hoch und runter gerannt, dass hätte ich lieber lassen sollen, verdammt am nächsten Tag hatte ich so krass Muskelkater, fragt mich nicht warum ... ich bin nix mehr gewöhnt.

Von Olivenernte


Mhh, lecker das Essen war mal wieder richtig gut, ich werde es vermissen, oder ich muss einfach noch ein bisschen mehr kochen lernen hier, aber das ist so schwierig mit den Frauen bzw. vielmehr deren Männern hier

Von Olivenernte


Mit einigen dieser Kinder und Jugendlichen arbeite ich an einem kleinen Projekt. Ich möchte gerne einige Gegensätze des Lebens aus diesem Land mit nach Deutschland bringen, z.T. in Form von Bildern der Kinder und Jugendlichen und z.T. in Geschichten von ihnen. Ich würde gerne eine kleine Ausstellung zusammen stellen, mal sehen ob das klappt. Wenn es das tut, dann würde ich diese gerne an verschiedenen Orten zeigen, wenn jemand einen Ort weiß, gerne fragen.

Wow das ist mal wieder lang geworden.

Grüße in die Welt

Dienstag, 21. Oktober 2008

Eindrücke von den letzten Abenden

Wenig erfreuliches habe ich während den letzten beiden Abenden gehört.
Am Samstag war die Präsentation über palästinensische Gefangene noch merkwürdig unpersönlich, obwohl Sa'ad Nimmr selber mit 15 Jahren schon im Gefängnis war.
Gestern Abend haben dann zwei Freunde von mir berichtet, wie ihre Zeit im Gefängnis war. Einer hatte mehr oder weniger Glück, er war nur 6 Monate in administrativ Haft. Er hat sogar von den "guten" Seiten des Gefängnisses gesprochen. Man bekommt Essen, Bücher (obwohl zensiert, besser als keine) er konnte sich weiter bilden.
Trotzdem haben beide mit den krassen Verhörmethoden Bekanntschaft gemacht. Das erste was sie erzählten, war, dass sie in eiskaltes und anschließend in sehr heißes Wasser getaucht wurden, dass mehrere male hintereinander. Beide hatten aber nichts zu verbergen, wie wohl die meisten die in administrativ Haft gehalten werden, wozu dient sonst die administrativ Haft?
Die zweite Methode ist wohl noch schlimmer. Man kann sich das o, wenn man nicht den entsprechenden Gesichtsausdruck der Menschen sieht, die einem das erzählen. Es sind keine Einzelfälle wie mir alle versichern.
Man bekommt Handschellen angelegt, die Arme hinter dem Rücken, dann wird ein Seil daran befestigt und über eine Rolle an der Decke gelegt. Anschließend wird angezogen. Das heißt die Arme hinter dem Rücken hochgezogen, solange bis auf den Zehenspitzen steht. Wenn man also versucht die Arme zu entlasten, streckt man sich noch ein bisschen, bis die Zehenspitzen schmerzen, dann versucht man diese zu entlasten und sofort schmerzen die Arme wieder. Macht das mal ein paar Minuten, ihr werdet verrückt. Sie mussten so Stunden verbringen, nicht nur Minuten. Einer meinte, er stand 22 Stunden in dieser Position. Danach fühlst du nichts mehr.
Wenn man danach immer noch nicht bereit ist auszusagen, was man nicht getan hat, wiederholt sich das Spiel. Oft nur mit wenigen Stunden Pause dazwischen, gerade was nötig ist um neue Fragen im Verhörzimmer zu stellen.
Einer der beiden wurde mitten in der Nacht aufgeweckt, brutal geschlagen. Nach dem Verhör was keine Ergebnisse brachte wurde es am nächsten Tag nochmal versucht (er hat keine medizinische Behandlung in der Zwischenzeit bekommen). Im Verhörzimmer wurde sein Kopf auf den Tischgeschlagen, er war bewusstlos. Als er aufwachte war er im Krankenhaus in Ein Karem, in Jerusalem. Dies teilte ihm eine Krankenschwester mit, nach dem er sie fragte. Sie versuchte weiterhin Informationen aus ihm herauszubekommen, er konnte aber nichts sagen, da er nichts anzufangen wusste mit den Namen, die ihm aufgetischt wurden. Er war selbst im Krankenhaus an einem Arm und Bein an den Boden gefesselt, als ob er mit zertrümmertem Gesicht hätte fliehen können. Nach 4 Jahren und zwei Monaten wurde er entlassen. Die ganze Zeit war er in administrativ Haft die eigentlich auf 6 Monate angelegt ist.

Die zweite Geschichte die ich heute hörte, ist das noch erschütternder, ich weiß nicht, was ich solchen Menschen hier erwiedern soll, wenn sie mich fragen, warum ich hier bin. Das Argument, dass die Menschen und die Landschaft hier mag ist wenig zufriedenstellend für sie. Nichts desto trotz freuen sie sich, dass man ihnen zuhört.
2002 während der zweiten Intifade mussten sein 9 monatiger Sohn ins Krankenhaus. Seine Frau und er sind aus dem Haus gegangen und haben die Soldaten nicht gesehen, die um die Ecke standen. Seine Frau wurde mit zwei Schüssen in den Hinterkopf getötet, vor seinen Augen mit dem 9 monatigen Sohn in den Armen. Das letzte was sie sagte, war der Name von ihrem Mann. Ihr Mann hat überlebt, er hat einen Schuss in den seitlichen Hinterkopf und die Schulter bekommen. Er hatte Glück. Seine Frau war 21 und er damals ca. 28 Jahre. Es war ihr erstes gemeinsames Kind.

Vor einiger Zeit war dann noch im palästinensischen Gefängnis, er wusste nicht warum. Er vermutet, dass das israelische Militär gemeinsame Sache mit der palästinensischen Polizei macht. Diese hatte ihn knapp neben die Beinarterie zwischen den Beinen geschossen. Er war dann 40 Tage im palästinensischen Gefängnis, hat auf dem Steinboden geschlafen, mit einer Lage Zeitung unter sich. Tagsüber zum ersticken heiß (das Gefängnis ist in Jericho) und nachts zum erfrieren kalt.

Ihr mögt sagen, ja dass ist einer unter vielen. Stimmt! Und die Menschen in Darfur oder im Irak, in Afghanistan oder in den Favelas in Sao Paulo. Ja ihr habt recht, den gehts nicht viel besser, wenn nicht schlechter. Aber diese Menschen habe ich gesehen, mit einigen von ihnen habe ich Tag für Tag zu tun. Da gewinnt die ganze Problematik an Ausdruck und Persönlichkeit. Wir dürfen uns nicht abstumpfen lassen von den Zeitungs und Fernsehberichten, über Hungersnöte und Kriege. Wir müssen uns daran erinnern lassen, dass hinter Zahlen Menschenleben stehen/standen. Wir können was gegen diese Ungerechtigkeit tun, wir müssen es, dass steht in unserer Verantwortung. Und zwar jetzt, nicht morgen!

Um mit was schönen abzuschließen, es gibt mittlerweile bestimmt drei Familien die versuchen mich hier zu verheiraten :-) Mal sehen was daraus wird. Allerdings würde ich harte Bedingungen stellen, wie ich heute hörte. Die Frau müsste mir erlauben, auch mal zu kochen, dass wüssten sie nicht, ob das geht :-)

Gute Nacht

PS: Morgen brauche ich alle gedrückten Daumen für meine erste mündliche Prüfung!

Sonntag, 19. Oktober 2008

Aufarbeitung

Lange habe ich mich nicht gemeldet, stimmt. Warum? Viel war los, viele neue Menschen habe ich getroffen, neue Erfahrungen gesammelt, viele Bilder geschossen, gelacht, gegrübelt, geschlafen, getanzt, gelacht, besorgt geschaut ... es würde den Rahmen sprengen, hier alles ausführlich zu berichten, deswegen versuche ich eine kleine Auswahl blitzlichtartig wieder zu geben, damit ihr eine Idee von meinem Leben hier bekommt :-)

Anfangen will ich Ende September (wow so lange ist es her, dass ich nicht mehr geschrieben habe).

Nada, die algerisch-französische Mitbewohnerin ist ausgezogen, deswegen haben wir ein biesschen gefeiert, natürlich nicht, weil sie ausgezogen ist, sondern für ihren Abschied. Sie wollte noch ein paar Bilder von der Gegend mit ihr und uns machen.
Von Freunde


Daraus ist dann ne kleine Fotosession entstanden, hier in dem Album gibts mehr davon, wenns euch interessiert.

Freunde


Am 28.9. bin ich mit Aischa und Elana in den Golan gefahren. Wir haben uns dort ein bisschen umgeschaut, die Grenzen zum Libanon und zu Syrien begutachtet. Das ist schon was krass anderes, wenn man das mit den Grenzen in Europa vergleicht. Dort kann merkt man ja kaum, wenn man ein Land verlässt und ins nächste reist, wenn man Glück hat, sieht man noch ein Schild, "Herzlich Willkommen in ..." Hier sieht man Menschen, die mit einem Megaphon über die Grenze hinweg ihren Nachbarn oder Familien zu rufen.

Golan


Außerdem waren wir in Banias, wunderschöne Wasserfälle und an den Jordanquellen. Wasser ist hier im Land einfach immer wieder etwas besonderes. Man freut sich immer es zu sehen, besonders wenn es natürlich ist. Leider sind echt viele Quellen oder Bäche ausgetrocknet.

Elana sollte dann auch glatt verheiratet werden. Wie? Wir haben am Tag zuvor eine Familie im Golan kennen gelernt, die uns eingeladen hat. An sich keine Seltenheit, aber die Art der Fragen hat uns schnell verwundert. Ob sie verheiratet sei, welche Religion sie habe, wo ihre Eltern wohnen usw. Alles Fragen die nur auf eines schließen lassen. Im Verlaufe des Abends hat sich dann herausgestellt, dass sie den jüngeren Bruder heiraten sollte. Dessen erste Frau hat an diesem Tag ein Kind bekommen, voller Stolz zeigte er uns ein Bild von dem Baby welches er auf dem Handy hatte. Wir haben uns nur gefragt, was zur Hölle er bei uns macht, wenn seine erste Frau gerade ein Kind bekommen hat. Die Töchter der Familie waren alle aufgebrezelt wie sonst was, wir haben super Essen bekommen, die haben alles dran gesetzt, dass Elana bleibt. Wir haben es nur unter größten Anstrengungen geschafft uns irgendwann los zu reißen. Das war ein Abenteuer der besonderen Art.

Freitag den 10.10. war ich das erste mal bei einer jungen Frau eingeladen, war witzig, sie hatte mich in der Uni angesprochen, wir haben uns ein paar mal in der Uni gesehen, dann meinte sie ich solle mal ihre Familie besuchen kommen. Keine Sorge, ich werde nicht heiraten :-) Es war für mich nur schön, weil ich sonst eigentlich noch nie wirklich mit jungen Frauen in meinem Alter hier zu tun hatte und die weibliche Seite der palästinensischen Gesellschaft einfach ein ziemlich großes Fragezeichen für mich war bzw auch immer noch ist. Wir hatten witzige Unterhaltungen mit ihrer Mutter und ihren Schwestern, halb Englisch halb Arabisch. Irgendwann ist noch ihr Schwager gekommen, den ich in der Uni immer wieder gesehen habe. Ihr Vater war nur kurz da, ich weiß nicht ob er mich mochte oder nicht. Er ist Religionslehrer in Jerusalem. Als die ältere Tochter/Schwester, die schon verheiratet ist, anfing mich über Religion zu befragen hat er immer wieder etwas ungläubig geschaut als ich antwortete. Die anderen haben dann irgendwann gesagt, wir sollen aufhören über Religion zu diskutieren. Sie war sehr überzeugt vom Islam, auch wenn sie eine sehr moderate Auslegung vertrat.
Vor dem Essen gabs zwischen den Mädels und dem Vater noch eine kleine Diskussion, ob sie mit mir und dem Schwager zusammen essen dürften. Sie haben sich durchgesetzt. Ich hatte überhaupt das Gefühl, dass der Vater nicht so viel zu sagen hatte, bei vier Töchtern ist das wahrscheinlich auch nicht so einfach.

Von Freunde


Hier ein Bild von der ganzen Familie, dass darf bei solchen Besuchen natürlich nicht fehlen. Die mit dem grauen Oberteil hat mich eingeladen.

Von Freitag 10.10. bis Mittwoch hatte ich dann noch Besuch von Mirja. Wir haben uns letztes Jahr bei "walk your talk" kennen gelernt. Das war eine Jugendkonferenz in Israel und Palästina, organisiert von Freunden von uns.

Außerdem hatte ich am Donnerstag eine Präsentation über "Ethnische Säuberung" in Israel/Palästina während 47/48 zu halten. Ein krasses Thema, aber beeindruckend ist, dass der Autor der das Buch schrieb, auf dem meine Präsentation basierte, ein israelischer Historiker ist, Illan Pappe. Am Montag folgte dann noch eine Präsentation über Islamischen Feminismus in den 90er Jahren, nicht ganz so spannend, aber auch ok.

Wenn wir schon bei der Uni sind, meinen ersten arabisch Test im schreiben hatte ich schon, war ok, mit 16 von 20 Punkten bin ich zu frieden, mein Mitbewohner meinte aber, das nächste mal müssen es 20 von 20 sein. Mal sehen, mir waren die Noten halt noch nie so wichtig. Am kommenden Mittwoch folgt dann der erste mündliche Test, bin mal gespannt wie das wird.

So, noch ein paar Worte zur Olivenernte. Egal wo man im Moment hin kommt, es werden Oliven gepflückt, dass wird mehr oder weniger so den ganzen Oktober gehen, bei manchen bis in den November hinein. Aufgrund der Situation hier mit Militär und Siedler werden immer viele internationale Helfer gebraucht, sie schützen zum Teil die palästinensischen Farmer. Wir waren in einem Dorf in der Nähe von Nablus. Ich bin dann kurzfristig mit noch vier anderen über Nacht bei einer Familie geblieben. Dort haben wir noch mal ein paar krasse Eindrücke ins Dorfleben bekommen. Sie haben angeboten, mir 100 Olivenbäume zu schenken und mir eine Frau zu suchen, nur halb zum Scherz, sie meinten ich sei ein guter Farmer. Aber ich glaube das wäre dort nichts für mich. Dort ist die arabische Tradition doch noch zu stark, vor allem was Mann-Frau Beziehungen und deren Rollen anbelangt, dass könnte ich nicht akzeptieren bzw. würde ich nicht wollen, dass eine/meine Frau so leben müsste. Verstehst ihr was ich meine? Bei den beiden Familien bei denen wir geschlafen haben war dass schon irgendwie krass. Die beiden Frauen waren noch total jung, 22 und 21 und die ältere seit 6, die jüngere seit 5 Jahren verheiratet, ja ihr lest richtig! Die Ältere hat drei, die andere 2 Kinder, überlegt mal wie krass. Zum Glück ist das hier nicht überall so, es ist einfach ein riesen Unterschied zwischen Dorf und Stadt. Es ist aber nicht nur die Bildung die den Unterschied macht, die beiden Frauen machen ein Fernstudium, sind also nicht schlecht gebildet, auch die Eltern von den beiden Männern/Brüdern sind Lehrer an der lokalen Schule, der Vater hat in Jordanien studiert. Und umgekehrt findet man auch immer wieder, gerade Frauen z.B. aus Flüchtlingslagern die aus der Tradition ausbrechen, obwohl sie in wirklich bildungsfernen Umgebungen aufwachsen. Für mich als Außenstehenden ist es auf jeden Fall immer wieder spannend zu beobachten.

Heute haben wir einen Vortrag über Palästinensische Gefangene in israelischen Gefängnissen gehört. Mal zu hören, was die "Einzige Demokratie" im Nahen Osten im 21. Jahrhundert mit im Moment ca. 11.000 Palästinensern macht, diese Zahl ist im Gefängnis. Allerdings war fast jeder Mann über 20 hier schon kürzer oder länger im Gefängnis. D.h. zu jeder Familie zu der du kommst gibt es eine ganze Menge krasse Geschichten. Seit Ende der 70er Jahre ist es nicht mehr so stark physische Folter, viel mehr psychische Folter. Das sagen israelische Friedensorganisationen. B'tselem Oft wird mit der Verhaftung von Familienmitgliedern gedroht, oder das ausziehen von weiblichen Familienmitgliedern vor Männern oder Mütter/Schwestern von Gefangen werden zum Gefängnis gebracht und missbraucht, so lange bis es Geständnisse gibt. Alles Sachen die in der 4 oder 5 Genverkonvention nach internationalem Recht verboten sind. Israel hält sich nicht daran. Die Geschichten sind bekannt, z.B. im Europäischen Parlament in dem es 2000 und 2005 Vorträge über pal. Gefangene gegeben hat. Vor drei Wochen haben 20 Botschafter eine Tour mit Stop the Wall gemacht, d.h. die sie wissen ganz genau was die Mauer für die Palästinenser bedeutet. Aber unternommen wird nichts.

So genug lamentiert, ich fühle mich zwischen den Menschen trotzdem wohl, auch wenn ich mich immer wieder rechtfertigen muss, warum ich hier her komme und nicht in Deutschland bleibe, dort sei es doch viel schöner.

Ich hoffe dass ich ab jetzt wieder öfters zum schreiben komme und ihr nicht immer so nen krassen brocken lesen müsst :-)

لُكَس

Dienstag, 23. September 2008

Wall Tour

Am Sonntag den 21.09.08 haben wir mit "Stop the wall" eine Tour durch den westlichne Teil der Westbank gemacht. Von Ramallah sind wir zum Teil über die historische Straße von Ramallah nach Nablus gefahren, sofern dass möglich war. Oft ist diese alte Straße gesperrt, wenn überhaupt noch vorhanden oder durch Siedlerstraßen oder von USaid gebaute alternative Straßen ersetzt worden.
Gerade in den Dörfern in der Nähe der Mauer ist ca. 50% und z.T. mehr Land auf der westlichen Seite der Mauer und dmait für Palästinenser zum größten Teil unerreichbar.

Besonders erschütternd und unverständlich war die Situation in Jayous, dort kam X. her, der uns die ganze Situation erklärt hat. Er beschreibt von seinem Dorf, dass 75% des landwirtschaftlichen Landes quasi unerreichbar hinter der Mauer sind. Im Oktober fängt die Olivenernte an, die Oliven müssen gepflügt werden, damit die Familien etwas zum überleben haben. 75 Männer (zum großteil alte Männer) von 4000 Einwohnern des Dorfes haben eine Genehmigung das Tor zu nutzen um zu ihren Bäumen zu kommen. Bleibt nur die Frage, wie in unserem Fall der 85 jährige Vater von X der der Einzige in der Familie mit einer Genehmigung ist die Oliven pfücken kann?
Die Genehmigung bekam er auch erst, nach dem einige Botschaften beim israelischen Staat Beschwerde gegen das nicht Austellen einer Genehmigung eingelegt haben. Die Begründung der israelischen Behörden war, dass sein Sohn, X (der uns geführt hat) erst seine Tätigkeit bei der "Stop the Wall" Kampagne einstellen müsse, sonst gäbe es keine Genehmigung.

Hier ein Bild von X vor dem Tor.



Das Haus von Hani Amer. Umgeben von Zaun, Mauer und Siedlung nimmt er und seine Familie ein verdammt schweres Leben auf sich. Er hat horrende Geldsummen angeboten bekommen, um sein Haus zu verlassen, er hat nicht angenommen. Er hatte ein Gerichtsverfahren laufen, an dem er nicht teilnehmen konnte, da er keine Genehmigung bekommen hat, nach Israel zu gehen. Mittlerweile wird er von viele internationalen Organisationen unterstützt, damit er sein Land und Haus nicht verliert.

Ein Bild von dem Zaun und der Mauer, durch das kleine gelbe Tor rechts von der Mauer können er und sein Frau raus und rein, die Kinder müssen immer auf ein Elternteil warten.



Eine noch viel krassere Sache ist, dass die Siedlungen überall in der Westbank einen Großteil ihrer Abwässer einfach in die Natur fließen lassen. Oft ist die Natur in diesen Fällen das Tal in dem die Palästinenser ihr Gemüse oder ihre Olivenbäume anbauen, da es in den Tälern mehr Wasser gibt als auf den Bergen. Was mit den Nahrungsmitteln passiert, die durch Abwasser bewässert werden kann sich ja jeder selber ausmalen.



Jeden Tag müssen durch dieses Terminal 25.000 palästinensische Arbeiter nach Israel um einen geringen Teil des Lebensunterhalts ihrer Familien mittragen zu können. Gegen 2 und 3 Uhr nachts stellen sich die meisten Arbeiter an, um pünktlich zwischen 6 und 8 Uhr an ihrer Arbeitsstelle zu sein. Mit Magnetkarte und gespeicherten Fingerabdrücken müssen sie sich ausweisen. Wenn irgendjemand aus der Familie etwas "gegen die Sicherheit" von Israel unternimmt, verfällt die Genehmigung automatisch und man muss schauen wo man bleibt.



Wie immer gibt es weitere Bilder wenn man auf eines der Bilder klickt.

Montag, 22. September 2008

Demo

Freitag 19.9.08 war ich zu erstenmal bei einer Demo, in Ni'lin um gegen Landraub und den Mauerbau zu demonstrieren. Ich habe mich erstmal etwas abseits gehalten und von der entfernung zu geschaut. Mit der Zeit habe ich mich etwas weiter vorgetraut, dies war allerdings mit mehr oder weniger direktem Beschuss mit Tränengas verbunden. Keine schöne Erfahrung, aber zum Glück waren die Soldaten noch weit genung entfernt, so dass man nach dem der Schuss los ging nocht ein paar Sekunden Zeit hatte, den Tränengaskanister zu verfolgen und zu sehen, wo er hin fliegt. Hier ein paar Bilder.


Einige Tränengaswolken zwischen den Bäumen.



Ein Palästinenser mit seiner Flagge stehend in dem Symbol der Palis, einem Olivenbaum

Für mehr Bilder zu diesem Thema einfach auf eines der Bilder klicken, dann kommt ihr zu einem picasa album

Donnerstag, 18. September 2008

Kamera

Ich hab ne Kamera...

Hier Ramallah bei Tag, gegen 17:00 Uhr



und eine Stunde später, wenn alle am Fastenbrechen sind.



Klickt man auf eines der Bilder kommt man zu weiteren. Viel Spaß

Mittwoch, 17. September 2008

Warum bin ich hier?

Und was habe ich bis jetzt gemacht? Komisch, fast drei Wochen bin ich hier, und was habe ich gemacht? Es ist nicht wirklich greifbar ... doch dann wenn ich einzelne Buchstaben z.B. auf der Werbung oder in der Zeitung oder in der Ausstellung entziffern kann. Komisch, deswegen bin ich hier? Ja, doch, ich glaube schon. Aber wahrscheinlich viel mehr deswegen, weil mir über die Sprache neue Türen geöffnet werden können.
Eine kleine Begebenheit macht deutlich, dass es sich lohnen könnte, arabisch zu lernen. Die Person um die es sich handelt, wird es wohl wissen, bitte nicht böse sein, ich sag auch extra den Namen nicht ;-)
Wir waren auf dem Weg richtung Al Khalil (Hebron), wir wollten meinen alten Arbeitsplatz besuchen. Davor hatten wir gegessen und haben bestimmt 25min gewartet bis der Bus los gefahren ist. Es kam schon vorher die Frage auf, wie lange es dauert oder ob es hier in der Nähe eine Toilette gäbe. Nein, so weit ich weiß, so lange dauert es auch nicht, ok dass schaffe ich schon, sagte betreffende Person. Wir fuhren los, dann wurde es brenzlig, die Blase drückte bis ins Gesicht, drum herum sitzende haben es auch bemerkt. Ich habe den Bus gebeten uns aussteigen zu lassen. Wir waren am Ende von Al Khader (St. Georg auf Dt., ein Dorf neben Bethlehem) Ich fragte bei der nächsten Gelegenheit nach einer Toilette, einer Autowerkstatt, die Männer haben sich ziemlich kaputtgelacht, dass ich als deutscher bei ihnen nach einer Toilette frage, aber nach dem sie das Gesicht gesehen haben, welches zu dem toilettenbedürftigen Körper gehörte haben sie verstanden, dass es ernst ist. Aber sie hatten keine.
Als nächstes ein Mann im Auto, der gerade am los fahren waren. Nein, er habe keine Toilette, komisch, es sah so aus, als ob er um die Ecke wohnen würde. Aber er war auf dem Weg in die Mosche, dass könnte der Grund sein.
Ok, um die Ecke waren einige Büsche, die hätten es getan, aber drum herum waren einige Häuser und Gesichter zu sehen. Also durch die Büsche zu den nächsten kleinen Kindern gegangen, sie waren die einzigen die zu dieser Zeit wirklich drausen waren (14:45). Ich habe sie zu mir gerufen, sie kamen nach einigem zögern und habe ihnen gesagt, dass eines der Mädchen ein Problem hat, sie bräuchte eine Toilette. Sie schauten mich ungläubig an ... haben sie mich verstanden. Ich probiere es anders, frage nach dem Vater und will auch nach dem älteren Bruder fragen, frage statt dessen aber wohl nach der Schwester. Eines der Kinder rennt ins Haus und kommt mit dem erstaunten aber sehr freundliche Vater heraus. Er begreift sofort den Ernst der Lage und geleitet geqäulte Person zur Toilette, nach dem eines der Kinder noch das nötige Toilettenpapier geholt hat. Juhu, das hätten wir geschafft.
Nach dem die mich begleitenden Personen auf der Toilette waren, bekommen wir Stühle angeboten. Die Mutter und ältere Schwester der Kinder kommen, beide ohne Kopftuch und geben uns die Hand. Schön, dass habe ich so noch nie erlebt. Die Schwester übersetzt einzelne Wörter für uns ins Englische, aber zum größten Teil unterhalten wir uns alle auf arabisch. Es geht gut, zumindest eben der einfache Smaltalk. Irgendwie ein gutes Gefühl. Die Familie bedauert, uns nichts anbieten zu können, kein Tee oder Kaffe, da Ramadan ist. Wir werden eingeladen zum Fastenbrechen nach dem Beten um 18:00 Uhr. Wir erklären dass wir weiter müssen, da wir vor dem Beten in Ramallah sein müssen, wo wir leben, da wir sonst kein Taxi mehr finden.
Das war irgendwie Glück im Unglück. Zum Glück musste die Person aufs WC, sonst hätten wir diese Familie nicht kennen gelernt.

Dienstag, 16. September 2008

Streiks

Nachtrag:

Gestern (Montag 15.9.08) bin ich pflichtbewusst um 6:45 aufgestanden um pünktlich in die Uni zu kommen. Nichts ahnend steige ich ins Taxi, wir kommen in die Nähe der Uni, total viele Autos auf der Straße, komisxh, normalerweise läuft der Verkehr hier gut. Wir kommen nicht weiter, ich sehe schwarzen Rauch, da fällt es mir wieder ein, was Sonntag abend auf der maann-news.org Seite gelesen habe, als ganz winziges Banner, Studenten streiken morgen, gegen die Erhöhung der Studiengebühren. Die Tore sind verschlossen, Reifen brennen, Studenten stehen herum. Gestresste und ärgerliche Lehrende und Uniangestellte laufen herum oder warten ungeduldig, dass sie trotzdem irgendwie rein kommen. Einige werden rein gelassen, andere nicht. Das System verstehe ich nicht bzw. kennen die Leute nicht, die rein gelassen werden oder nicht. Für uns fällt die Uni heute aus, bekommen wir gesagt. Ok, ein freier Tag, warum nicht, aber eigentlich wollte ich ja was lernen. Ich bin gespannt ob es etwas bringt und wie es weiter geht.

Das Streiken gehört hier übrigens dazu. In der zweiten September Woche hat die komplette Unibelegschaft für drei Tage gestreikt, sie wollen mehr Geld. Wir als internationale haben aber trotzdem unseren Unterricht bekommen, nur zu essen gabs nichts. Nach dem dritten Streiktag sind die Streikenden mit den Behörden übereingekommen, dass innerhalb der nächsten zwei Monate Verhandlungen geführt werden sollen mit einer Einigung am Ende. Wir werden sehen.

Übrigens nicht nur an unserer Uni wurde gestreikt, sondern landesweit, auch in Gaza und die Belgschaft der Schulen ebenfalls.

Gestreikt haben ebenfalls die Menschen des Gesundheitssektors. Krankenschwestern und Pfleger, Ärtze und Doktoren. Auch sie fordern ein höheres Einkommen. Hier weis ich allerdings nicht den momentanen Stand der Dinge. Nur dass angeblich schon vier Menschen in Gaza gestorben sind aufgrund mangelnder Medizinischer Betreuung.

In vielen Teilen der Westbank ist dieses Jahr das Wasser sehr knapp, einige Dörfer und Häuser sind seit Wochen ohne Wasser. Im Aida Flüchtlingslager bei Bethlehem gab es letzte Woche ebenfalls Streiks, da die Autonomiebehörde sich nicht genügend kümmernd. Hier ist nicht ganz klar, ob die Autonomiebehörde nicht genugend für die Wasserversorgung tut, in Bethlehem scheint dies der Fall zu sein, da eine naheliegende Quelle seit einiger Zeit nicht mehr dem Wassernetz angeschlossen ist, aufgrund von mangelnden Mitteln zur Instandhaltung. Auf der anderen Seite scheinen die israelischen Wasserbehörden den Hanhn auch immer wieder zu zu drehen.

Ich habe bis jetzt zum Glück noch nichts direkt von der Wasserknappheit mitbekommen. Dies liegt wahrscheinlich mit daran, dass ich in Ramallah bin. Ramallah ist die Verwaltungshauptstadt der Palestinenser, d.h. hier wohnen fast alle „wichtigen“ Menschen, außerdem ist Ramallah wohl schon fast eine europäische Stadt, aber auch nur fast und es ist nicht so heiß hier, wie z.B. Jericho, da es viel höher liegt.

So viel zu den Streiks hier in der Gegend.

Freitag, Ramallah - Jerusalem

Nachtrag:

Letzten Freitag bin ich früh nach Jerusalem aufgebrochen, um dann mit Vigdis und Miri nach Bethlehem zu fahren. Aber von letzterem habe ich ja schon erzählt.

Der Weg von Ramallah nach Jerusalem, den habe ich so noch nicht erlebt. Ich habe mich irgendwie gewundert, warum es denn so still ist. Freitagmorgen, 6:40 Uhr bin ich aus dem Haus. So langsam kam mir, klaro, Freitag, Muslimischer Feiertag. Ich kam zur Bushaltestelle, es fuhren keine Bus direkt bis nach Jerusalem, komisch, normalerweise tuhen sie das immer. Ich denke mir besonders heute, während Ramadan wollen doch viele Menschen am Felsendom oder in der Al Aqsa Moschee beeten. Ok, ich fahre mit dem Service nach Qalandia (Checkpoint) und traue meinen Augen kaum. Es ist eigentlich fast kein Durchkommen, alles voller Autos, Busse und noch viel mehr Menschen. Der Checkpoint ist für den Kraftverkehr geschlosse, nur Menschen unter 12 Jahren oder weiblich über 55 Jahre und männlich über 50 Jahren dürfen den Checkpoint passieren. Ich werde versuchen diesen Freitag nochmal mit Kamera hin zukommen, damit ich mal das ein oder andere Foto schiessen kann, damit ihr euch das vorstellen könnt.

Der Checkpoint hat von westbankseite zwei Hauptzufahrten, von rechts und links (Richtung Jerusalem gesehen). Links war komplett gesperrt, man hat nur eine Reihe Soldaten und Grenzpolizisten hinter einer Reihe Gittern gesehen, von vorne von Palästinensern bedrängt. Auf der Seite wo ich war, also rechts, eine Reihe Soldaten, die irgendwie versucht haben, die Menschen zurück zu drängen, ihre Gewehre in der Luft rum schwänkent, einige mit Megaphon um hebräische oder arabische Befehle zu schreien, die herzlichst wenig Beachtung finden. Immer wieder werden einzelne Menschen durch die Soldatenkette gezerrt, wenn sie bewisen haben, mithilfe ihrer ID, dass sie den Altersanforderungen entsprechen. Oft kommt es dabei vor, dass Familien getrennt werden, Kinder düfen durch, die Mutter oder der Vater nicht, oder beide nicht, oder umgekehrt, je nach Alter oder anderen Beweggründen. Wenn man durch die Reihe der Soldaten gekommen ist, muss man als nächstes anstehen, um sich von der Grnezpolizei nochmals auf Namen und Alter checken zu lassen. Hier werden einige abgewiesen, die den altesgrenzen zwar Entsprechen, wohl aber trotzdem ein Sicherheitsrisiko sind (Mutmassung, dass ist aber normalerweise für alles die Entschuldigung). Drei Leute von der UN sind anwesend, etwas hilflos versuchen sie immer wieder einzelne Menschen doch noch durch zu bringen, manchmal gelingt es ihnen meistens nicht. Die Soldaten sind allesamt sher nervös, bei einigen liegen die Nerven blank. Eine Frau der UN wird von einem höher gestellten Soldaten körperlich angegangen, den Soldaten ist es mehr als unangenehm beobachtet zu werden. Die Situation zwischen den beiden ist kurz davor zu eskalieren, kein schöner Anblick. Die Grenzpolizei greift ein und trennt den Soldaten von der Frau, er wird ziemlich ermahtn.

Für mich dauert es einige Zeit, bis ich durch gehen kann, zumindest kommt es mir so vor. Allerdings stelle ich am Ende fest, dass es nicht viel mehr als 15 oder 20 min. gewesen sein können. Im Verhältnis zu den anderen Anwesenden nichts.

Mir wird erst verweigert, den Checkpoint zu durchqueren, ich werde von der Grenzpolizei zu rück geschickt. Ich habe keine Ahnung warum, ich glaube sie haben keine Ahnung, was es mit meinem Visum auf sich hatte. Nach ein paar Minuten kam dann ein etwas erfahrenerer und gut englischsprechender Polizist, der die anderen überzeugen konnte, dass ich durch dürfe. Er war sehr höflich und hat sich entschuldigt, dass ich warten musste, meinte aber auch, dass es eben kein guter Tag sei, zu Reisen, wie ich selbst sehen könnte.

Diese ganze Geschichte hat sich vor dem eigentlichen Personencheckpoint abgespielt, erst jetzt konnten wir weiter gehen und eine ähnliche Sicherheitsprozedur über uns ergehen lassen, wie am Flughafen, Taschen leeren, alles auf ein Band legen, durch einen Detektor gehen und nochmalige Passkontrolle. Allerdings ging es hier diesmal relativ flot, da die meisten Leute vorher aufgehalten wurden. Einige Palestinenser müssen hier Fingerabdrücke hinterlassen. Das habe ich letztes Jahr noch nicht gesehen.

Der Rest war nur noch übliches Gedränge an den Bussen und alle Möglichen Absperrungen durch die Polizei wie immer bei größeren Festen/Events.

Sonntag, 14. September 2008

mal wieder WE

Freitag habe ich mich mit Vigdis und Miri getroffen, zwei Freundinnen und Komillitoninnen aus Fulda bzw. Torgau.
Wir waren in Bethlehem und im angrenzenden Flüchlingslager Deheishe. Zufällig konnten wir dort an einer Führung teilnehmen und haben interessante Eindrücke sammeln können. Ich hatte das Gefühl, dass die Menschen dort so langsam anfangen wirklich für sich selber zu sorgen, da die Versorgung durch die UN oder die palästinensische Behörde alles andere als ausreichend ist. Z.B. haben sie jetzt angefangen, eine eigene Augenklinik und Diabetesstation einzurichten, Kurse zur Stressbewältigung und Handhabung von Familienproblemen für Frauen werden entwickelt.
Ich glaube dass das eine ganz wichtige Sache ist, dass die Menschen hier selber anfangen aus dem Schlamassel zu kommen, weil alles andere über die Behörden oder int. Organisationen doch immer zu sehr von eigenen Interessen geleitet werden oder eigenen Regeln folgen müssen.
Schön war, dass derjenige, der uns durchs Lager geführt hat, micht wieder erkannt hat. Ich habe ihn mal vor zwei Jahren bei einer ähnlichen Tour dort getroffen. Ich werde zwei Dokus von dort mit nach Hause bringen, die Kinder und Jugendliche aus dem Camp gedreht haben.
Endlich mal ein Bidl, geschossen mit Miris Kamera: Kind im Flüchtlingslager.


Kein besonders schönes Bild von mir und dem Hauseingang, aber trotzdem, damit ihr mal einen kleinen Eindruck bekommt. Ich habe eigentlich noch mehr Bilder gemacht, aber das Übertragen von der Kamera hat so lange gedauert. Miri oder Vigdis werden sie mir daheim hochladen, dann kann ich noch ein paar mehr hier in den Blog tun und euch ein Stück mehr am Leben hier teilhaben lassen.Die grüne Tür mit der 16 ist der Eingang zum Haus, wir sitzen aber meistens drausen, da es am angenehmsten ist. Mal sehen wir das im Winter machen werden, wahrscheinlich wird es dann ein bisschen kalt, aber innen im Haus ist es halt ziemlich feucht und viel Platz gibt es auch nicht gerade. Aber das wird schon alles, mal sehen.

So jetzt muss ich mal heim und mich an die arabisch Hausaufgaben machen. Gestern hatte ich erste Erfolgserlebnisse beim arabisch lesen, ich konnte das Wort für Sonne und einige andere Lesen. Ich muss mal sehen, ob ich meinen Laptop auch auf arabisch einstellen kann, dann kann ich euch mal ein paar Wörter rein schreiben und die Zeichenvielfalt etwas erklären, damit ihr erahnen könnt, wie es ist, die weltschwerste Sprache zu erlernen ;-)

Schönen Abend! tisba' a' lacher

Dienstag, 9. September 2008

Wochenende

Es ist schon wieder zwei Tage vorbei und es ist wieder viel passiert.
Wochenende bedeutet fuer mich im Moment Freitag und Sonntag, Samstag habe ich noch Vorlesung.
Am Samstag nach den ersten arabisch Stunden hab ich mich aufgemacht nach Harduf. Dort arbeitet eine Freundin von mir, die von zwei weiteren Freundinnen aus Fulda besucht wurde. Ich hatte den Weg echt nicht mehr so lange in Erinnerung. 4,5 Std. hab ich gebraucht, von meiner Hasutuer in Ramallah bis nach Harduf. Erst eine Stunde von Ramallah nach Jerusalem, der Checkpoint war ziemlich voll, sogar Spuerhunde haben einige Autos durchsucht. Ich durfte mit einigen alten Maennern und Frauen im Bus sitzen bleiben, waehrend alle anderen Aussteigen mussten und zu Fuss durch den Checkpoint gingen um danach wieder in einen Bus zu steigen. Schon ein komisches Gefuehl, dieses Auslaender sein, vorallem weil man immer wieder so herausgehoben wird. Sei es am Checkpoint, waehrend Ramadan mit den Essgewohnheiten oder in den Taxis. Naja so ist und ich trage ja auch meinen Teil dazu bei, denn ich bin ja auch einer. Ich versuche allerdings ein bisschen unauffaellig zu sein, z.B. was die Kleidung angeht.
So ist das halt, was soll man machen.
Naja der Weg weiter ueber Tel Aviv nach HArduf war wie immer angenehm, ein eiskalter Bus, in dem man fast erfroren ist.
In Harduf war es echt wieder gemuetlich, wie immer. Dort ist einfach Ruhe, man kann sich ausruhen, nette Leute around. Als wir abends den Blick ueber Haifa und andere Orte haben schweifen lassen habe ich mich mal wieder gefragt, was Freiheit aus macht. Ist es ein freier Blick, freie Bewegung, in der zur Sicherheit immer wieder dein Rucksack durchsucht wird und du mit einem Detektor abgesucht wirst? Freiheit fuer Gedanken? Die Moeglichkeit ueberhaupt an etwas anderes denken zu koennen als deine Sicherheit und dein taegliches Ueberleben. Ist es die Freiheit die es ausmacht, wenn man sich auf die Wiese legen kann, ohne T-shirt, vielleicht drausen schlafen kann, eine kurze Hose anziehen kann, mit allen Menschen, auf die man gerade Lust hat Karten zu spielen. egal ob Mann oder Frau. Befaehigt Bildung zu Freiheit? Wieviel Bildung brauche ich, um mich frei von Gesellschaft und anderen Bedingungen oder Grenzen zu machen?

Arabisch faengt an, vielleicht kann ich nachher weiter schreiben.

Heute, 10.09.08 komme ich nach Hause, die Tür ist abgeschlossen, mal wieder, ich höre Stimmen drinnen, komisch, ich klopfe. Min hada? - wer ist dort? - Lukas, ok, can you wait a second? Of course I can. Dann geht die Tür auf, das Kopftuch wird noch schnell richtig festgesteckt. Nada und Lana sind am Kochen, wow das riecht lecker. Haben sie das Kopftuch freiwillig aufgesetzt? Haben sie darüber nachgedacht als ich gekommen bin? Schränkt es sie ein? Ich glaube eigentlich nicht, sieht zumindest nicht so aus. Lana ist nicht oft in der Mosche, Nada schon, sie ist oft in Jerusalem während Ramadan. Beide sind sehr offen trotzdem weiß ich noch nicht sehr viel über sie. Sie haben für Imad und mich gekocht, wobei jeder andere wohl auch mitessen könnte, glaube ich. Als ich dann ein paar Teller von uns abgespühlt habe meinte Nada, warum ich das mache, sie würde das schon machen. Da hab ich gesagt, naja, ihr habt gekocht da kann ich doch ein biesschen abspühlen, oder? Ok meinte sie, aber es sei eigentlich nicht meine Aufgabe. Macht oder sagt sie das aus freier Entscheidung oder weil sie es so gelernt hat? Weil es Tradition so will? Selbst wenn, wenn es für sie ok ist, warum nicht? Müssen wir oder ich immer mit unserem freien Willen kommen? Vorgestern abend habe ich die ersten zwei Teile einer arabischen Serie für Ramadan vom Goethe Institut gesehen. Darin werden die internationalen Organisationen ein wenig auf die Schippe genommen. Auf der anderen Seite ist da einiges dran, Palästine und Israel ist der Landstrich auf der Erde, auf dem am meisten int. Organisationen und Internationale sind. Manchmal habe ich das Gefühl, dass diese Tatsache den Palästinensern die Möglichkeit nimmt, selber zu denken, eigene Initiativen und Projekte zu entwickeln, ihre Identität selbstständig zu entfalten und zu festigen. Also mit welchem Recht oder mit welchen Hintergedanken kann ich überhaupt Gedanken zur Freiheit der Menschen hier äußern ohne sie in ihrer Menschenwürde zu beschränken? Nur weil ich mich nicht so frei wie in Deutschland oder in Harduf fühle heißt das noch lange nicht dass die Menschen sich hier unfrei fühlen. Auf der anderen Seite ist es für viele Menschen hier schwer vorstellbar, warum wir jungen Leute aus der ganzen Welt freiwillig hier her kommen. Tuhen oder können wir das nur, weil wir wissen, dass wir nach kurzer oder längerer Zeit wieder nach Hause in die „alte“ Freiheit können?

Merkwürdig, ich stelle hier nur Frage um Frage, eigentlich bin ich hier her gekommen, um mehr Klarheit zu erlangen. Den Kurs „Frauen in arabischen Gesellschaften“ habe ich gewählt um mehr Klarheit über deren Rolle und deren Befinden zu bekommen. Statt dessen stelle ich Fragen. Ich weiß, es gibt keine dummen Fragen, nur dumme Antworten :-) Also wo ist der Punkt?

Klarheit durch Fragen? Fragen durch Klarheit!

Ist doch gut, dann gäbe es nicht so viele Missverständnisse zwischen Menschen, wenn mehr gefragt werden würde.

Samstag, 6. September 2008

kurzer Rueckblick

Am Donnerstag hatte ich meine erste Stunde mit dem Titel "The Palestinian Question". Unterrichtet von einem Politiker und Mitglied der Bewegung "Free Marwan Barghouti" (B. ist einer der bekanntesten pal. Politiker in israelischem Gefaengniss, seit einigen Jahren bereits). Interessant war seine Einleitung ueber die "Objektivitaet" seines Seminars. Er meinte man koennte den pal. - isr. Konflikt von verschiedenen Seiten betrachten. Er werde natuerlich die pal. Perspektive waehlen, schlieslich sind wir ja in Palestina an einer pal. Uni und er ein pal. Politiker. Etwas hat mich dabei gewundert, dass war die anschliessende Ausfuehrung ueber israelische Medien, wie diese das Bild des Konflikts verzerrt haetten. Z.B. sprach er davon, dass in den Medien immer nur praesentiert wird, wie der israelische Staat von 7 arabischen Laendern nach der Staatsgruendung angefriffen wurde, von 7 Laendern, dass muss man sich mal vorstellen, so viele gegen ein erst seit einem Tag existierend Staat. Was sich dahinter aber wirklich verbiergt ist, dass diese 7 arabischen Staaten zusammen nur 23.000 Soldaten, gegenueber 54.000 israelischen Soldaten waren. Also ein voellig verzerrtes Bild laut meinem Prof entsteht.
Aus der ersten und der zweiten Aussage in Kombination ergibt sich fuer mich jedoch, dass er wohl ziemlich aehnliche Methoden anwendet, die er bei den Israelis kritisiert. Ob er dass weiss? Vielleicht ist es auch nur wieder eine meiner spitzfindigen Arten, zu meinen zu wissen wer was wie macht.
Aber insgesamt wird es bestimmt spannend, jeder von uns Studenten muss eine Praesentation halten ueber ein selbst gewaehltes Thema. Bin gespannt, was dabei raus kommt, hoffentlich ein vielfaeltiges Bild.

Gestern haben Imad (mein Mitbewohner) und ich zum grillen eingelanden, nach dem wir mehr oder weniger den ganzen Tag geputzt haben :-) Leider haben kurz vorher einige abgesagt, so dass wir jetzt fuer die ganze Woche genug zu essen haben, das hat auch vorteile. Das witzige war, dass nach dem wir abgeraeumt haben, ein anruf kam, ob es ok ist, wenn noch sieben Leute kommen. Klaro, war das ok, so hatten wir dann doch noch eine ganze Menge Leute da.
Ich hab ja neulich schon mal von Lana erzaehlt, das Maedel, welches gut zu meinem Mitbewohner passen wuerde. Sie war gestern auch da, wir haben uns in der Zwischenzeit noch paar mal gesehen, so langsam taut sie ein wenig auf, wir koennen uns normal unterhalten. Das ist irgendwie schoen, weil ich das Gefuehl habe, dass sie auf der einen Seite noch recht traditionell und konservativ ist, auf der anderen Seite aber irgendwie aus brechen moechte aus den Strukturen hier. So bekomme ich irgendwie die Gelegenheit, mal eine "durchschnitts" Palaestinenserin kennen zu lernen. Das finde ich interessant, weil ich dazu bisher noch nie die Gelegenheit hatte. Die Frauen oder Maedels die ich kennen lernte, die waren entweder noch ganz junge, also aus konservativer Sicht unbedenglich oder sie waren quasi westlich, wie bei uns auch. (Diesen letzten Absatz nicht falsch verstehen, ich will hier niemand ueber oder unter Ordnen, es ist nur ne Beobachtung von mir)

Jetzt gehts los nach Harduf, Freunde besuchen und den Sonntag am Pool geniesen, hoffentlich.

Arabic classes

Gerade hatte ich meine erste arabisch Stunde in Fusha, Hocharabisch. Damit kommt man in allen arabisch sprechenden Leandern zurecht. Aber es war anstrengend, einen super netten Lehrer haben wir zwar, aber man kommt sich vor wie in der ersten Klasse. Man macht quasi Formenzeichnen um die arabischen Buchstaben zu lernen. Vorallem gibt es total viele verschiedene Formen der einzelnen Buchstaben, je nach dem ob er am Anfang, in der Mitte oder am Ende eines Wortes steht. Naja, ich hab viel zu lernen, aber ich glaube dass klappt schon irgendwie.
Jetzt gehts weiter mit dem lokalen Dialekt und Strassensprache. Da hab ich schon einiges gelernt durch meine vorrigen Besuche, dass wird hoffentlich leichter.
Schoenen Tag.

Donnerstag, 4. September 2008

Wiedersehen

Gestern (2.9.08) habe ich die komplette Registrierung gemacht, hat einiges an Zeit gekostet :-) aber dass bin ich ja von Südafrika gewohnt. Allerdings habe ich mich bei den Preisen gefragt, wie junge Palästinenser hier studieren können. Ich habe 2500$ für vier Kurse und ein Semester gezahlt. Die meisten Palis haben mehr Kurse und müssen ja auch einen entsprechende Anzahl an Semestern studieren. Aber das erklärt auch, warum es nur ca. 60.000 Studenten in den palästinensischen Gebieten gibt.
Anschließend haben wir noch eine Tour durch Ramallah gemacht. Viel mehr als drei Kulturzentren und einige Resturants haben wir nicht gesehen. Das komischste war, dass wir in eines der teuersten Resturants gegangen sind. Wir haben 60 NIS für ne Piza gezahlt, ca. 12€. Normalerweise bekommt man für 13 NIS eine komplette Mahlzeit, von der man gut satt wird. Da ist dann das Ambiente oder die Einrichtung nicht so ausgereift, aber man bekommt wenigstens etwas typisches zu essen.
Bei Weitergehen kam dann noch ein merkwürdiger Kommentar über ein Cafe. Die Studenten die uns rumgeführt haben, meinten, es sei wenig gemütlich dort, weil dort nur die Burgoesie hin gehe. Ich glaube in Verbindung mit dem Verhalten, der Studenten besteht schon ein großer Unterschied zwischen der allgemeinen Bevölkerung und den Studenten. Bin gespannt was in dieser Richtung noch entdecken werde.
Am Dienstag hatten wir Glück, dass wir unsere Registrierung usw. fertig machen konnten, da die restliche Belegschaft, die Professoren und Mitarbeiter der Uni gestreikt haben. Sie benötigen mehr Geld. Morgen wird wieder gestreikt, ich bin gespannt, ob es was helfen wird. Eine Freundin von mir arbeitet im French Department, sie meinte, dass es wahrscheinlich insgesamt nicht viel bringen wird. Aber es sind dann immer hin zwei Tage, die wie Ferien sind.

Heute (3.9.08) habe ich das Projekt besucht, in dem ich 05/06 mein FSJ gemacht habe. Spannend, die bekannten Wege und Straßen zu gehen bzw. zu fahren. Das Projekt gedeiht prächtig. Im Moment sind 5 Voluntäre dort, wobei es gerade die Übergangszeit ist. Einige sind neu dort, andere gehen bzw. müssen gehen, einer. Er hat keine Visaverlängerung bekommen. Kommt immer wieder vor, leider.
Zwei Höhlen sind ausgebaut, ein Spielplatz ist eingerichtet, Internet gibt es mittlerweile, ein Gewächshaus, einige neue Räume, für die wir während meiner Zeit den Boden gelegt haben. Einige neue Terassen und Steinkreise sowie neue Tiere und Bäume. Eigentlich wollte ich noch ins Tal, habe ich aber nicht mehr geschafft. Ich hoffe das ich nächste Woche ein paar Bilder machen kann, würde ich euch gerne zeigen.
Auf dem Heimweg bin ich durchs angrenzende Dorf gelaufen, da kamen mir plötzlich ganz viele Erinnerungen an Begegnungen, die dort hatte. Sei es dass ich mit Kindern gespielt habe, mit Männern Tee getrunken habe, oder in ein Haus von einer sehr resignierten Mutter mit ihrem Sohn eingeladen wurde. Einige Menschen habe ich wieder erkannt, drei Menschen haben auch mich wieder erkannt, witzig. Ich wrürde gerne nochmal länger dort sein um noch mehr Menschen wieder zu treffen und zu hören wie es ihnen geht. Es gibt ein Bild von mir, wo ich bei einer Familie war mit ganz vielen Kindern, dass würde ich der Familie gerne zeigen, mal sehen ob ich das irgendwie hin bekomme und was die Familie dazu sagt. Vielleicht muss ich damit warten, bis Ramadan vorbei ist, das beschäfftigt die Menschen ziemlich. Das habe ich besonders gemerkt, als ich wieder fahren wollte. Ich hab nicht so genau auf die Uhr geachtet und dann war es schon zu spät um mit einem normalen Service/Taxi zu fahren, da alle Taxifahrer in die Mosche wollten um danach essen zu können, es war ca. 16:20 Uhr. Schon verrückt, wie sich die Straßen dann lehrer, wirklich komplett leer. In Straßen wo sonst kaum ein durch kommen ist, sieht man vielleicht noch ein zwei drei Leute. Verrückt.

Ganz krass zu sehen war auf dem Heimweg, wie weit die Mauer gebaut ist. Dort wo ich früher immer vom Taxi in den Bus nach Jerusalem gestiegen bin, ist kein durckkommen mehr. Der Taxiplatz ist verschwunden bzw. an eine komplett andere Stelle verlegt worden. Die Mauer ist bestimmt 10m hoch, vorallem total merkwürdig gebaut, so dass sie total bedrohlich wirkt, weil sie auf der einen Seite bestimmt 1,5 Meter überhängt. Schwierig zu beschreiben, ich werd noch ein paar Bilder besorgen.

Zu Hause angekommen bin ich einfach so in unser Haus, das war nicht gut, ich hätte lieber anklopfen sollen, aber daran denkt man halt nicht, wenn man deutsch ist ;-)
Eine Freundin von Imad war da, sie trägt immer Kopftuch, heute Abend im Haus hat sie es abgenommen. Ich hab sie erst gar nicht erkannt, sie sah so anders aus mit Haaren :-) Kleider oder Haare machen Leute, gibt’s ja gar nicht. Es hat ein wenig gedauert, bis ich kapiert habe warum sie erschreckt geschaut hat, als ich rein kam und sich hinter der Wand versteckt hat. Zumal Imad auch meinte, kein Problem, sie solle sich nicht so anstellen. Mhhhh, das wird wohl noch ein bisschen dauern, bis ich auch in die weibliche palästinensische Welt einen Einblick erhalten kann. Aber ich könnte mir vorstellen, dass ich zu Lana ein gewisses Vertrauen aufbauen kann, da sie quasi Imads Freundin ist ( zumindest sagen dass beide, sie könnens halt nicht wirklich zeigen) und deswegen wohl öfters hier sein wird, mal sehen. Schön fände ichs, da ich eigentlich nur die halbe palästinensische Gesellschaft kenne. Aber so ist das halt, zumindest sagen dies die Menschen hier so.

So morgen geht die Uni los, ich muss mal wieder früh aufstehen, deswegen solls das für heute gewesen sein.

Montag, 1. September 2008

zweiter Tag

Der erste Tag ist vorbei, ich bin müde. Eigentlich war es nicht so viel heute, vielleicht eher die Nachwirkungen der Nächte der letzten Woche.
Obwohl auf einmal 55 neue Namen von int. Studenten und 5 Mitarbeiter Namen, das fordert heraus :-)
Wir hatten heute eine algemeine Einführung in die Bir Zeit Uni, etwas über ihre Geschichte, ihre verschiedenen Fakultäten und ihre Studenten.
Außerdem gab es einige Kulturelle Infos und Infos zur Lage hier im Nahen Osten. Bei manchen Fragen habe ich überlegt, ob sich die Studenten überhaupt überlegt haben, wo sie hin gehen ... Da kam natürlich auch die Frage, ob es israelische Studenten hier gebe. Nein gibt es nicht. Aus drei Grüden, wie uns der PR Chef der Uni sagte:
1: We dont want them here, because we dont know, if they have made it difficult for us to go through a checkpoint and may make it for us, when they finished theire studies.
2: We dont have peace with Israel
3: We cant go to study in Israel, so whey should they
I couldnt keep my mouth shut, I needed to add, that it is forbidden for an Israely to enter the Westbank as a civilian. Sie müssen Strafe zahlen, wenn sie erwischt werden.
Wahrscheinlich ist so etwas wieder typisch für mich, auf der anderen Seite war die Bemerkung vielleicht ein Bestandteil meines Versuchs objektiv zu sein ... wer weiß.

Das beste war eigentlich, als wir bei der Vorstellungsrunde sagen sollten, warum wir hier sind. Ein Student aus Pakistan meinte, weil es am billigsten ist.

Dann gab es ein großes Mittagessen für uns. War ein bisschen merkwürdig, weil der Direktor des int. Studenten Programms meinte, dass normalerweise die Mitarbeiter auch mitessen, aber leider heute nicht, weil es der erste Tag von Ramadan ist.

Nach einer campus tour wurden Zimmer für diejenigen verteilt, die ihre Wohnangelegenheiten über die Uni geregelt haben. Zwei andere Mädals und ich wollten dann nicht warten, bis es 18 Uhr war, dann hätten wir noch ne Führung durch Bir Zeit (das Dorf in dem sich die Uni befindet) bekommen und sind auf eigene Faust los. Viel zu sehen gabs nicht, dass wuste ich schon, da ich das Dorf schon früher mal besucht habe. Interessant war nur, dass uns ein junger Palästinenser begleitet hat, er kommt aus Bir Zeit. Nach dem wir eine Zeit lang gelaufen sind und er fast jede zweite Person gegrüßt hat, der wir begegnet sind, habe ich gefragt, wie viele Familien in Bir Zeit wohnen. Er meinte dann drei Christliche und zwei Muslimische. Denkt jetzt nicht, dass es ein kleines Dorf ist. Dort wohnen bestimmt 10.000 Menschen, also große Familien ;-)

Als ich nach Hause kam, stand ein Kühlschrank in der Küche und Imad lag auf dem Sofa. Eigentlich wollte ich ihm am morgen den Schlüssel hinterlegen, hab ich vergessen, aber Nada unsere andere Mitbewohnerin, die noch nicht weiß wie lange sie bleiben will, hat ihm aufgemacht. Dachte nicht dass es so schnell geht, aber so ist es auch ganz net. Zu zweit essen ist doch schöner als alleine. Bin schon ein Mensch, der immer gerne Gesellschaft um sich hat.
Wir haben dann erstmal den Garten und unsere „Terasse“ aufgeräumt, die Cigaretten und den Müll der letzten Partys beseitigt, jetzt kann es wieder los gehen.

Spät genug, ich geh ins Bett!