Freitag, 5. Dezember 2008

Gaza und Sderot auf arte




Ein interessanter Schriftverkehr zwischen verschiedensten Menschen don't say we did not know und noch weitere Einträge by Amos Gvirtz

Donnerstag, 4. Dezember 2008

?

I don't know what to write, just as I am starting to write I am watching the news and seeing about the eviction of settlers from a house in Al Khalil/Hebron. I should write about that, but what could I say? The Israeli government and its security forces are unable to control the settlers, especially because they are armed and shoot at anyone they want. The Israeli supreme court ruled out that the "house of peace" should be evacuated until another court can decide who owns the house. The settlers claim that they bought from a Palestinian which says that he stepped back in the final negotiations.
Keep in mind, that you have a population of about 60.000 Palestinians living in Hebron, around 400 to 500 settlers living in the city centre which are protected by about normally 2500 soldiers. The settlers claim to live in the city because of the patriarchs graves which are lying under the Ibrahimi Mosque.
SZ zur Lage in Hebron.

Eigentlich
wollte ich über meine letzten Tage schreiben, aber die Geschehnisse machen es schwer. Die Situation im Gazastreifen ist unverändert, nur Journalisten dürfen wieder in den Streifen und angeblich medizinisch wichtige Fälle haben die Möglichkeit aus oder in den Gazastreifen zu kommen. Heute war in Ramallah eine winzig kleine Demonstration, die auf die Situation in Gaza aufmerksam machen sollte. Die Palästinenser waren sehr enttäuscht, dass nur so wenige Menschen gekommen sind, insgesamt waren wir vielleicht 100 oder 120 Menschen, auch ein ganzer Schwung Internationale.
Hier ein Bild davon

Von Mix


Eines der Poster scheint die Ankündigung der UN zum 60 jährigen Bestehen der Menschenrechtserklärung zum Anlass zu nehmen, nochmal darauf hinzuweisen, dass Aktionen mehr zeigen als Worte und fordert endlich ein Handeln entsprechend der weitreichenden Erklärungen. Deswegen sind wir im Rahmen der Demo auch zum Büro der Europäischen Union und zum Büro der UN in Ramallah gezogen um dort unsere Forderungen nach politischen Aktionen gegen die Abriegelung des Gazastreifens vorzubringen. Hoffen wir dass es etwas bringen wird.

Von Mix

Wie ihr aus den vorigen Sätzen entnehmen könnt bin ich gut wieder in Ramallah angekommen. Meine Sorgen über den Grenzübertritt haben sich in Luft aufgelöst. Wahrscheinlich nicht zu letzt weil ich ihnen eine schöne Geschichte aufgetischt habe. Ich sagte dass ich meine lieben Freunde in Israel besuchen gehe, sie wollte dann eine Telefonnr sehe, gut dass ich irgendeine Nr hatte die ich ihnen zeigen konnte. Außerdem ist Weihnachten im Heiligen Land ja auch so besonders wichtig, deswegen habe ich meinen Flug umgebucht. Als sie danach fragten ob ich nach Betlechem, Schechem, Ramallah oder Nablus gehen würde, habe ich sie nur blöd angeschaut und gefragt ob das nicht gefährlich sei. Mein Gesichtsausdruck scheint das richtige ausgedrückt zu haben. Ein bisschen nervös wurde ich dann, als sie ein biometrisches Foto von mir gemacht haben und meine Fingerabdrücke nahmen, wer was passiert wenn sie mich mal auf einer Demo fotografieren und mich dann zuordnen können. Vielleicht sollte ich auf der nächsten Demo auch das typische Pali Tuch um meinen Kopf binden :-)

Amman als Stadt hat mich nicht wahnsinnig beeindruckt, vielleicht war ich auch voreingenommen, da die meisten meiner Palästinensischen Freunde Jordanien nicht mögen. Das liegt hauptsächlich an der Rolle die Jordanien und sein Einwohner (75% Palästinenser) in dem ganzen Konflikt spielen. Aber das ist ein neues Thema, vielleicht ein anderes mal.
Genossen habe das rumhängen, lesen, Party machen (habe schon lange nicht mehr so viel getanzt, war glaube ich um 5 Uhr erst daheim, auf jeden Fall habe ich noch das Morgengebet des Imman gehört), Leute treffen.
Das Highlight war für mich das Klettern im Wadi Rum.



Das Tal ist der Hammer. Eine Ruhe die habe ich noch nicht "gehört", zumindest nicht in der Natur. Vielleicht hört man einen Vogel oder ein anderes Tier, aber ansonsten nur das knirschen des Sands unter den Füßen, das Atmen. Die Steine und Felsen findet man in jeglicher Formation, einzelne Büsche suchen ihren Halt im Sand und die Sonne zaubert vielfältigste Schatten in die Landschaft.

Von Mix

Ein paar Tage bevor ich nach Amman gegangen bin war mit einer Freundin im Wadi Quelt, welches Jerusalem mit Jericho verbindet. Ebenfalls ein tolle Gebiet, besonders zum Wandern. Das besondere dort ist, das es ein uraltes Wassersystem gibt, welches Wasser nach Jericho transportiert, an manchen Stellen ist es nicht mehr ganz dicht, dort entstehen dann solche Flecken.

Von Mix

Heute war ich mal in Jerusalem, nicht lange, irgendwie zieht es mich nicht so dort hin, zumindest nicht im Moment. Ich habe nach ein paar Büchern geschaut und dann witziger Weise gerade eines in der Hand gehalten "An Israeli in Palestine" by Jeff Halper, als der Autor selber in den Laden kam. Habe es mir dann gleich mal signieren lassen. Ich habe ihn vor 5 Jahren getroffen, als ich das erste mal hier war. Halper works for the Israeli committee against house demolition

Noch zwei Links aus der Süddeutschen Zeitung, einer über Hebron und einer über Palästinenser in Israel Danke M für den Tipp

Das soll mal reichen für heute, schaut fleißig Nachrichten und überlegt mal was in der Welt mit Menschen passiert. Haben wir damit etwas zu tun?

Mittwoch, 26. November 2008

Children of Gaza

Wahrscheinlich wird es einige erschrecken dass ich ein solches Video von Aljazeera auf meinen Blog stelle. Ja ich verurteile Selbstmordatentatte gegen Zivilisten in Israel. Innerhalb der Waffenstillstandslinie von 67 gegen Militär bezeichne ich sie als Form des Wiederstands. Nicht dass ich hier irgendeine Form des Tötens rechtfertige oder für gut erkläre, aber welche Form des Wiederstands haben die Menschen die keine Armee haben, die sie beschützen kann, wenn viele gewaltfreie Aktionen zu nichts geführt haben. Ich weiß es ist ein verdammt schweres und kompliziertes Thema, aber dieser Film könnte ein klein wenig mehr Licht in die Art und Weise bringne, wie Kinder in Gaza aufwachsen.



Hier der zweite Teil des Videos, es geht mehr um Kinder und ihre Situation.

Montag, 24. November 2008

update about Gaza

Heute durften wieder einige LKW in den Gazastreifen, nach dem der internationale Protest in den letzten Tagen zu genommen hat. Aber verglichen mit den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen dort, ein Tropfen auf den heißen Stein.

Damit es nicht einseitig wird und ihr noch die Möglichkeit habt, andere Quellen anzuschauen, hier noch ein paar Links. Vor allem weil ich gestern einen wichtigen Aspekt ziemlich vergessen habe, den Ausschluss der Medien.

Dan Ming

Yasmin Alibhai-Brow writting for The Independent

a mother from Gaza

contemplating from Gaza

Sonntag, 23. November 2008

life under occupation

Leben unter Besatzung, hört man das Wort Besatzung noch in der Berichterstattung über Palästina in der ausländischen Presse? Ich kann mich nicht daran erinnern dass ich es in der letzten Zeit gelesen oder gehört habe. Selbst zu einer Zeit, während die Zustände im Gazastreifen unbegreiflich werden, in Jerusalem und Umgebung Häuser zerstört werden und überall in der Westbank Menschen festgenommen werden (ca. 70 in diesem Monat)
Ein paar Worte zu der Situation in Gaza.
Seit dem 4.11.08 ist der 1,5 Mill. Menschen fassende Streifen von der Außenwelt quasi abgeriegelt. 30 LKWs mit Lebensmitteln und Medikamenten durften am 17.11.08 Grenzposten passieren. Vor der Blockade haben täglich ca. 1000 LKWs verschiedenste Produkte in den Gazastreifen gebracht.
Hier eine Tabelle von Oxfam, die den tatsächlichen Bedarf an Kraftstoff ermittelt der für den Verkehr, das Kraftwerk (zur Stromerzeugung) und Gas für privat und z.B. Bäckereiverbrauch benötigt wird.



Kraftstoff ist ein sehr wichtiger Punkt, denn ca. 33% des Stroms in Gaza müssen von einem Kraftwerk produziert werden, 7% des Bedarfs kommt aus Ägypten und 59% aus Israel. Da aber seit den letzten 19 Tagen nur einmal Kraftstoff in den Gazastreifen gebracht werden konnte, kam es gestern zum ersten kompletten Stromausfall im Shifa Krankenhaus, Gazas größtem Krankenhaus. Aufgrund eines Problems mit dem Notstromgenerator haben Beatmungsgeräte, Blutpumpen und ähnliche Geräte für die intensiv Medizin versagt. So mussten einige Patienten manuell beatmet werden. 160 Medikamente sind ausgegangen, 120 sind am zuneige gehen.

Mittlerweile sind alle Getreidevorräte aufgebraucht die zum Brot backen bestimmt waren. Es wird auf Getreide zurück gegriffen, was als Futtergetreide für Tiere bestimmt ist. 50% der Getreidemühlen haben geschlossen, weil es entweder keinen Strom oder kein Getreide mehr gibt.
UNRWA (UN Relief and Workers Agency for Palestinian Refugees in the Near East) sagt es wird innerhalb der nächsten Tage keine Lebensmittelvorräte mehr haben. Ca. 50% von Gazas Bevölkerung ist abhängig von der Lebensmittelverteilung der UN.

Die Zahlen sind von BBC Al Jazeera und Maan News

Genug Zahlen, das wichtigste ist allerdings, dass man sich daran erinnert, dass hinter jeder Zahl ein Mensch steht, sich ein Schicksal befindet. Für jeden LKW der nicht die Checkpoints passieren kann, stehen im Moment Menschen hungrig auf, wissen nicht wie sie Menschen im Krankenhaus versorgen sollen, wissen nicht wie sie Brot kaufen können, selbst wenn es welches gäbe, da sie keine Arbeit haben und damit kein Geld.

Das
Leben unter Besatzung aus persönlicher Sicht?
Zwei unterschiedliche Aussichten von dem Dach meiner Wohnung. Wahrscheinlich auf den ersten Blick nicht besonders, aber wenn man weiß um wessen Häuser es sich handelt, verändert sich die Perspektive.

Häuser von Siedlern, ca. 200m von Ramallah entfernt.



Häuser in Ramallah.



Warum
sage ich, dass es einen Unterschied zwischen Siedlungshäusern und Häusern in Ramallah gibt? Schaut euch die Karte an, bläuliche Farben sind Siedlungsflächen, braune Farben stehen mehr oder weniger unter Palästinensischer Kontrolle. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als ob die Palästinenser die größte Kontrolle hätten. Dem ist leider nicht so. Generell kommt die Armee nachts in die Städte und tut was immer sie will. Schaut man genauer hin, sieht man, dass es zwei bläuliche Schneisen von West nach Ost gibt, so dass es ein leichtes ist, die nördliche Westbank von der zentralen und diese von der südlichen abzuschneiden.
Wer die Karte in besserer Auflösung sehen möchte kann auf die Karte klicken und sie runter laden.



Was bedeutet das für mich? Es gibt eine ganze Menge Gebiete, in die ich nicht darf, weil ich mich mit palästinensischen Verkehrsmitteln bewege und diese sind an ihren grünen Nummernschildern erkennbar, die nicht in Siedlungsnähe dürfen. Abgesehen davon sind Siedlungen unter internationalem Recht illegal. Als Beleg dafür sollte man sich den Artikel 49 der vierten Genfer Konvention anschauen: "Die Besetzungsmacht darf nicht Teile ihrer eigenen Zivilbevölkerung in das von ihr besetzte Gebiet deportieren oder umsiedeln." Wenn ihr sagt, dass ist aus dem Zusammenhang gerissen, dann schaut euch die Genfer Konvention selber an

Wenn wir schon bei offiziellem und internationalem Recht sind, dann hier auch noch UN Resolution 194 und 181 neben tausenden anderen. Resolution 194 versichert das "Recht der Flüchtlinge auf Rückkehr oder Entschädigung". Die Resolution wurde auf der Generalversammlung am 11. Dezember 1948 verabschiedet. Resolution 181 beschreibt die Teilung des ehemaligen britischen Mandatsgebietes für einen israelischen und einen palästinensischen Staat. Resolution 242 ist die folge Resolution zu 181 und fordert den Rückzug israelischer Streitkräfte aus (den) Gebieten, die im jüngsten Konflikt besetzt wurden, verabschiedet vom Sicherheitsrat am 22. November 1967.

Das mag theoretische klingen, aber was bedeutet das konkret für Menschen hier? Der Teilungsplan von 1948 in Resolution 181 hat ein Verhältnis von ca. 55% für Israel und 45% für Palästina vorgesehen. 1967 blieben von den 45% noch 22% für einen palästinensischen Staat übrig, mittlerweile sind aus diesen 22% je nach Quelle zwischen 10% und 15% geblieben, die für einen pal. Staat zur Verfügung stehen. Verständlicher weise ist so ein Staat nicht akzeptierbar, da viele der lebenswichtigen landwirtschaftlich genutzten Flächen unerreichbar oder mit Siedlungen bebaut sind.
Das führt zu den eigentlich leicht nachvollziehbaren Forderungen der Palästinenser, dass es keinen Staat geben kann, dessen Grenzen nicht der Waffenstillstandslinie von 1967 folgen. Die Endverhandlungen müssen einhergehen mit der Anerkennung der ethnischen Säuberung von 1948 die bis heute anhält, mit dem generellen Rükkehrrecht der palästinensischen Flüchtlinge, der Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt und der Kontrolle von Land und Wasserrechten und der totalen Räumung der Siedlungen. Bevor diese Prinzipien, basierend auf internationalem Recht, nicht anerkannt sind, werden alle Verhandlungen zu dem führen, zu dem sie bis jetzt geführt haben. Zu einer "Normalisierung" der Besatzung und einer Verschlechterung der Lebensbedingungen der Menschen die hier Leben.
In der praktischen Umsetzung gibt es dann Möglichkeiten zu diskutieren, was man mit den Siedlungen macht, mit der Verwaltung des Wassers usw.

Ich bin gespannt was ein Staat wie Israel noch für Einfälle hat um das Leben seiner Einwohner und seiner Nachbarn schwerer zu machen. Die Äußerung von Livni über die Anti-Rassismus Konferenz der UN ist vielleicht ein deutliches Zeichen, um was für einen Staat es sich hier eigentlich handelt. maan news schreibt über ihre Äußerungen zu der Konferenz.

Montag, 17. November 2008

Semester geht zu ende

Gerade habe ich genug an meiner Hausarbeit geschrieben, sie hat den wunderbaren Titel

"Palestinian Women – a socio economic view" Bin dabei eine Brücke zu schlagen zwischen persönlichen Erfahrungen mit Frauen, ihrer Arbeits- und Familiensituation und empirischen Daten die ich in Büchern und im Netz gefunden habe. Bin gespannt was mein Prof dazu sagt.
Eine zweite Hausarbeit steht an, im Fach "the Palestinian question", dafür habe ich allerdings noch kein konkretes Thema, aber das wird sich hoffentlich in den nächsten zwei Tagen ändern. Schließlich müssen beide Arbeiten bis Mo. oder Di. nächste Woche fertig werden.

Dann stehen noch zwei Arabisch Tests an, ein mündlicher im arabischen Ramallah Dialekt (Amir - ist die Bezeichnung für das gesprochene Arabisch) und ein schriftlicher im offiziellen Hocharabisch (Fusha). Ja, vielleicht vermutest du richtig, es gibt einen sehr krassen unterschied zwischen Amir und Fusha, die Menschen auf der Straße lachen, wenn man in Fusha mit ihnen redet und wenn man versucht mit Amir Kenntnissen eine Zeitung zu lesen, dann kommt man nicht weit. Am ehesten kann man das vielleicht mit Schweizer-Deutsch und Hochdeutsch vergleichen, wobei der Unterschied im Arabischen noch Größer ist. Vielleicht kann ich mal ein Bsp. geben, wenn man sich sieht.

Morgen haben wir im Kurs "the Palestinian question" a simulation for the final status negotiations of a two state solution for the Israeli Palestinian conflict. I m part of the Palestinian negotiation team. We had some interesting discussions today in our studies office, it seems to get really tens tomorrow. I gone tell you about the outcomes of the discussions.
The key word "tens situation" - the situation in Gaza is pretty tens in these days. The UNRWA which is supplying half of the Gazan population with food couldn't get any food inside the Gaza strip during the last week. Today was the first day, that 33 trucks were allowed to enter the strip and bring some basic stuff into it. A man in TV today said ironical that they probably get only bananas and apples. He was saying it in front of an UN food supply centre with a poster in background stating that the centre is closed because it run out of food. Another important fact about the situation in Gaza, during the last 13 days the Nahal Oz crossing (the one for fuel) was only opened once to new fuel. Fuel is important for the power plant, have of the electricity for Gaza is coming from that plant, the other half from Israel. So quit a lot of people and factory's don't get electricity at the moment. Some of the bakery's needed to shut down because they have no gas left to bake.
In the Westbank everything is normal, always some arrests, some curfews, some injuries at demonstrations and so on. You should have every once and a while a look at maannews to get some kind of picture about life in the occupied territory.

Nächstes Wochenende werde ich mich dann Richtung Jordanien aufmachen, eine Freundin in Aman besuchen und mich ein bisschen in Jordanien umschauen. Bin gespannt ob alles klappt, so wie ich mir das Vorstelle, im Moment scheint Israel sehr strikt mit der Visavergabe zu sein. Einem Kommilitone wurde vor knapp einer Woche die Einreise verweigert, er ist immer noch in Jordanien. Allerdings ist sein Vater Palästinenser, er hat aber einen Amerikanischen Pass. Aber auch das Konsulat in Ramallah meinte, dass es im Moment auch für Deutsche schwierig werden kann. Ich bin gespannt, schließlich muss ich ja wieder zurück, da mein Rückflug von Tel Aviv aus geht.

Einige andere Gedanken geistern in meinem Kopf herum, was muss ich bedenken für meine Bachelorarbeit die ich im nächsten Semester in Fulda schreiben will - mein Thema muss ich Mitte Dezember einreichen. Wie wird mein Praktikum bei IDEM laufen, was ich von Januar bis März machen möchte, bekomme ich dafür Unterstützung vom lieben BaföG Amt, was werde ich dort dann tatsächlich machen?
An meinem kleinen Projekt mit den Kindern und Jugendlichen aus dem Qadorah Camp bin ich weiter am basteln, vier Geschichten habe ich schon bekommen und auch schon jemanden gefunden, die mir beim Übersetzen hilft. Einige Bilder habe ich geschossen, die die Texte begleiten sollen. Allerdings hat sich herausgestellt, dass einige der Mädchen doch nicht mit machen wollen, ich weiß nicht warum, es konnte mir auch keiner wirklich erklären. Jetzt bin ich ein bisschen auf der Suche nach neuen weiblichen Schreibern. Mal sehen, vielleicht finde ich welche an der Uni. Ist mir ziemlich wichtig dass es ein gleiches Verhältnis von Mädchen und Jungen bzw. Männern und Frauen gibt. Das merke ich gerade, wo ich an der Arbeit über Palästinensische Frauen schreibe, sie sind einfach so unterrepräsentiert hier in der Gesellschaft.

Samstag, 8. November 2008

Ueberleben?

Wie komme ich mit den Gedanken und Geschehnisen zurecht, wurde ich gestern gefragt.
Keine leichte Aufgabe und nicht gerade einfach zu formulieren.

Natur hilft mir sehr viel, die Schoenheit kann niemand verdecken, auch wenn die Worte die darueber gemacht werden, nicht gerade diese Friedlichkeit oder Schoenheit respektieren. So kamen wir gestern an einer Quelle vorbei, die in ein grosses Becken gefasst wurde, so das Menschen darin schwimmen koennen. Die israelischen Siedler die darin schwammen meinten, die Palestinenser wuerden darin nur noch ihre Kuehe und Schafe baden. Es sei ein Schande, denn eigentlich sei das Quellwasser zwischen dem Kinneret und Samaria das beste Wasser von Israel. Stellt euch vor diese Geschichte musste ein Palestinenser mit anhoeren, der uns begleitet hat. Sein Land wird verleugnet, seine Menschen werden denunziert.

Von Naturbilder aus Palestina und Israel


Hier ein Bild welches ich gestern aufgenommen habe, eine tolle Farbe haben diese Blueten und erst der Duft.

Von Naturbilder aus Palestina und Israel


Die Olivenbaeume sind fast alle leer gepflueckt und schimmern nun silbern in der untergehenden Sonne, leichtes gruen des Grases kommt wieder zum Vorschein, es hat geregnet und die duerre ist fuer dieses Jahr verwunden. In den Staedten und Doerfern gibt es leider nur sehr wenige Stellen an denen man diese Schoenheit beobachten kann, da der Muell sich oft ueber diese Schoenheit legt.

Ein wiederspruechliches Bild habe ich geschossen. Muell und Reklame, Natur und statische Werbung. Solche Bilder koennte ich hier wohl tausendfach machen. Aber wen interessierts?

Von Naturbilder aus Palestina und Israel


Lachen hilft immer wieder ueber die traurigen Moment hinweg zu kommen.
Einen leckeren Tee oder Kaffe trinken kann Wunder ausloesen.
Ein Blick, ein Laecheln, ein Handschlag, Purzellbaum eines Kindes, Musik, ein schoener Film ... diese kleinen grossen Gesten.
Viele Gespraeche ueber Hoffnung und Aufgabe, Durchhalten und Weitermachen, Besatzung und Freiheit. Eine Aussage ist mir besonders in Erinnerung geblieben, wahrscheinlich kann man sie auch auf die meisten Palestinenser uebertragen. Er sagte, vielleicht gibt es Frieden in einem halben Jahr, in drei Jahren in zehn oder in 50. Um so schneller desto besser, aber ich weiss dass er auf jeden fall kommt und wenn ich ihn nicht mehr erlebe, dann erleben ihn zumindest meine Kinder oder meine Enkelkinder. Hoffnung kann und darf nicht sterben, sie wird nicht sterben, sonst waeren wir keine Palestinenser.

Da kann man dann selber wieder Hoffnung bekommen, auch wenn s manchmal hoffnungslos aussieht.

PS: Danke Jo fuer die Anregung!

Freitag, 7. November 2008

Obama - und jetzt?

Obama wurde vor drei Tagen neuer Präsident der USA - und jetzt? Die Reaktionen hier sind vielfältig, heute war ich einem Resturant, dort hing ein Foto von Obama, sie sind begeistert von ihm, aber die durchschnittliche Meinung ist wohl, dass sich nicht viel ändern wird. Condoleca Rice hat das heute auch gleich klar gemacht, dass es bis Januar nichts neues geben wird. maannews schreibt mehr zu ihrem Besuch bei Abbas.

Zu den Wahlen haben Freunde von mir einige palästinensische Nachrichtenagenturen besucht um zu sehen wie die Ereignisse dort gesehen werden, ich empfehle euch den Artikel sehr, ist interessant - auch die sich anschließenden Kommentare Palestinians on Obama, by Dan and Chloé

Was
ich heute erlebt habe? Nichts wahnsinnig neues, ich war nur mal wieder bei einer Demo, auf die ich nicht gedurft hätte. Israelisches Militär hat mir und zwei Freunden den Zutritt zu dem Dorf verwehrt, aus Sicherheitsgründen. Wir saßen in einem TV Auto des palästinensischen Fernsehens. Wir wollten dann eigentlich ein Stück die Straße zurück laufen, wie das die meisten internationalen machen und durch die Olivenbäume laufen, aber das haben die Soldaten natürlich gesehen und uns zurück gepfiffen und gesagt wenn wir sie uns heute noch mal sehen, dann gehts ins Gefängnis. Keine Sorge, so schnell geht das nicht, dass ist nur eine der typischen Drohgebärden. Nach dem wir dann einen Palästinenser auf der Straße angehalten haben, der uns auf einem Umweg ins Dorf gebracht haben - war ca. 30 min Fahrt - sahen wir gerade wie eine Frau in ein kleines Ambulanzzimmer getragen wurde. Eine Dänin wurde von einem Tränengaskanister am Unterarm getroffen, eine ca. 3 cm im Durchmesser und 1 - 1,5cm tiefe Wunde. Das ist nicht unbedingt etwas ungewöhnliches, für die die noch andere Quellen wollen, schaut bei maannews
Mehr Infos um was es bei den Protesten in Ni'lin überhaupt geht gibt es hier oder hier

Vor
mittlerweile zwei Wochen war ich bei einer anderen Demo. Eigentlich wollten wir nur Oliven pflücken. Wir hatten am Tag zuvor gehört, dass die Bewohner von Kfar Qadum unter erheblichen Angriffen der Siedler leiden und nicht zu ihren Oliven können. Als wir dort ankamen, sahen wir gerade noch, wie der erste Palästinenser mit gefesselten Händen in einen Jeep stieg - er wurde nach zwei Stunden wieder frei gelassen -

Von Demo


die Siedler hatten ihr eigenes Fernsehen dabei, die später aber wohl eher uns filmten wie wir vom Militär zurück auf die Straße gedrängt wurden.

Uns gegenüber standen die Siedlerjungen, komisch als Außenstehender habe ich immer wieder das Bild eines kindischen Katz und Mausspiel. Wenn ich dann aber an die konkreten Auswirkungen für die Menschen hier denke, dann wird klar, dass es das eben nicht ist, sondern dass es um das Recht geht, sein Land bestellen zu dürfen, um das Recht sich zu verteidigen, um die internationale Anerkennung, dass Siedlungen im besetzten Gebiet illegal sind und zwar alle - so steht es in der Genver Konvention, dass Menschen die unter Besatzung leben das Recht auf Verteidigung haben und nicht Terroristen genannt werden, wenn sie die Besatzer mit Steinen angreifen. (Ja ihr denkt wahrscheinlich, der hat seine Objektivität verloren, von der er am Anfang gesprochen hat, nein habe ich, diese Dinge habe ich mit eigenen Augen gesehen und die Geschichten dazu mit eigenen Ohren gehört)

Von Demo


Von Demo

Vergleicht mal diese beiden Bilder und gebt Kommentare dazu ab ... ich bin gespannt.
Kfar Kadum - um was geht es

Gestern
Abend war ich auf einem wunderschönen Brasilianischen Gitarren Quartett Konzert. Das hat gut getan, dieser schwungvollen, ausdrucksstarken Musik zu lauschen. Toll mit was für einer Schnelligkeit die zusammen gespielt haben und doch so Präzise. Dass ganze Theater war total in ihren Bann gezogen, es hier in Ramallah viele Menschen die Verwandte und Bekannte in Brasilien haben.

Am Donnerstag den 30.10. bin ich umgezogen, juhu. Natürlich immer noch in Ramallah, aber in eine richtige Wohnung. Hier ist es etwas wärmer, vor allem sauberer und gemütlicher. Wir müssen nicht mehr draußen sitzen sondern haben unser eigenes Wohnzimmer und ne richtige Küche.

neue Wohnung


Der einzige Nachteil ist, es ist jetzt wesentlich weiter bis zu den Taxis zur Bir Zeit Uni, obwohl vielleicht auch nicht, so laufe ich wenigstens jeden Morgen ca. 20 min bis zum Taxi, dass ist eigentlich auch nicht schlecht, da ich danach ja den ganzen Tag sitze.

Letzten Freitag war ich mit Freunden Oliven pflücken. Wow ich hatte meinen Spaß, vermisse hier ein bisschen die Möglichkeit Fahrrad zu fahren oder zu klettern oder im Hochseilgarten zu arbeiten - ja Volkersbergler ihr hört richtig :-) Aber ich bin dann mit einigen Jugendlichen den Berg hoch und runter gerannt, dass hätte ich lieber lassen sollen, verdammt am nächsten Tag hatte ich so krass Muskelkater, fragt mich nicht warum ... ich bin nix mehr gewöhnt.

Von Olivenernte


Mhh, lecker das Essen war mal wieder richtig gut, ich werde es vermissen, oder ich muss einfach noch ein bisschen mehr kochen lernen hier, aber das ist so schwierig mit den Frauen bzw. vielmehr deren Männern hier

Von Olivenernte


Mit einigen dieser Kinder und Jugendlichen arbeite ich an einem kleinen Projekt. Ich möchte gerne einige Gegensätze des Lebens aus diesem Land mit nach Deutschland bringen, z.T. in Form von Bildern der Kinder und Jugendlichen und z.T. in Geschichten von ihnen. Ich würde gerne eine kleine Ausstellung zusammen stellen, mal sehen ob das klappt. Wenn es das tut, dann würde ich diese gerne an verschiedenen Orten zeigen, wenn jemand einen Ort weiß, gerne fragen.

Wow das ist mal wieder lang geworden.

Grüße in die Welt

Dienstag, 21. Oktober 2008

Eindrücke von den letzten Abenden

Wenig erfreuliches habe ich während den letzten beiden Abenden gehört.
Am Samstag war die Präsentation über palästinensische Gefangene noch merkwürdig unpersönlich, obwohl Sa'ad Nimmr selber mit 15 Jahren schon im Gefängnis war.
Gestern Abend haben dann zwei Freunde von mir berichtet, wie ihre Zeit im Gefängnis war. Einer hatte mehr oder weniger Glück, er war nur 6 Monate in administrativ Haft. Er hat sogar von den "guten" Seiten des Gefängnisses gesprochen. Man bekommt Essen, Bücher (obwohl zensiert, besser als keine) er konnte sich weiter bilden.
Trotzdem haben beide mit den krassen Verhörmethoden Bekanntschaft gemacht. Das erste was sie erzählten, war, dass sie in eiskaltes und anschließend in sehr heißes Wasser getaucht wurden, dass mehrere male hintereinander. Beide hatten aber nichts zu verbergen, wie wohl die meisten die in administrativ Haft gehalten werden, wozu dient sonst die administrativ Haft?
Die zweite Methode ist wohl noch schlimmer. Man kann sich das o, wenn man nicht den entsprechenden Gesichtsausdruck der Menschen sieht, die einem das erzählen. Es sind keine Einzelfälle wie mir alle versichern.
Man bekommt Handschellen angelegt, die Arme hinter dem Rücken, dann wird ein Seil daran befestigt und über eine Rolle an der Decke gelegt. Anschließend wird angezogen. Das heißt die Arme hinter dem Rücken hochgezogen, solange bis auf den Zehenspitzen steht. Wenn man also versucht die Arme zu entlasten, streckt man sich noch ein bisschen, bis die Zehenspitzen schmerzen, dann versucht man diese zu entlasten und sofort schmerzen die Arme wieder. Macht das mal ein paar Minuten, ihr werdet verrückt. Sie mussten so Stunden verbringen, nicht nur Minuten. Einer meinte, er stand 22 Stunden in dieser Position. Danach fühlst du nichts mehr.
Wenn man danach immer noch nicht bereit ist auszusagen, was man nicht getan hat, wiederholt sich das Spiel. Oft nur mit wenigen Stunden Pause dazwischen, gerade was nötig ist um neue Fragen im Verhörzimmer zu stellen.
Einer der beiden wurde mitten in der Nacht aufgeweckt, brutal geschlagen. Nach dem Verhör was keine Ergebnisse brachte wurde es am nächsten Tag nochmal versucht (er hat keine medizinische Behandlung in der Zwischenzeit bekommen). Im Verhörzimmer wurde sein Kopf auf den Tischgeschlagen, er war bewusstlos. Als er aufwachte war er im Krankenhaus in Ein Karem, in Jerusalem. Dies teilte ihm eine Krankenschwester mit, nach dem er sie fragte. Sie versuchte weiterhin Informationen aus ihm herauszubekommen, er konnte aber nichts sagen, da er nichts anzufangen wusste mit den Namen, die ihm aufgetischt wurden. Er war selbst im Krankenhaus an einem Arm und Bein an den Boden gefesselt, als ob er mit zertrümmertem Gesicht hätte fliehen können. Nach 4 Jahren und zwei Monaten wurde er entlassen. Die ganze Zeit war er in administrativ Haft die eigentlich auf 6 Monate angelegt ist.

Die zweite Geschichte die ich heute hörte, ist das noch erschütternder, ich weiß nicht, was ich solchen Menschen hier erwiedern soll, wenn sie mich fragen, warum ich hier bin. Das Argument, dass die Menschen und die Landschaft hier mag ist wenig zufriedenstellend für sie. Nichts desto trotz freuen sie sich, dass man ihnen zuhört.
2002 während der zweiten Intifade mussten sein 9 monatiger Sohn ins Krankenhaus. Seine Frau und er sind aus dem Haus gegangen und haben die Soldaten nicht gesehen, die um die Ecke standen. Seine Frau wurde mit zwei Schüssen in den Hinterkopf getötet, vor seinen Augen mit dem 9 monatigen Sohn in den Armen. Das letzte was sie sagte, war der Name von ihrem Mann. Ihr Mann hat überlebt, er hat einen Schuss in den seitlichen Hinterkopf und die Schulter bekommen. Er hatte Glück. Seine Frau war 21 und er damals ca. 28 Jahre. Es war ihr erstes gemeinsames Kind.

Vor einiger Zeit war dann noch im palästinensischen Gefängnis, er wusste nicht warum. Er vermutet, dass das israelische Militär gemeinsame Sache mit der palästinensischen Polizei macht. Diese hatte ihn knapp neben die Beinarterie zwischen den Beinen geschossen. Er war dann 40 Tage im palästinensischen Gefängnis, hat auf dem Steinboden geschlafen, mit einer Lage Zeitung unter sich. Tagsüber zum ersticken heiß (das Gefängnis ist in Jericho) und nachts zum erfrieren kalt.

Ihr mögt sagen, ja dass ist einer unter vielen. Stimmt! Und die Menschen in Darfur oder im Irak, in Afghanistan oder in den Favelas in Sao Paulo. Ja ihr habt recht, den gehts nicht viel besser, wenn nicht schlechter. Aber diese Menschen habe ich gesehen, mit einigen von ihnen habe ich Tag für Tag zu tun. Da gewinnt die ganze Problematik an Ausdruck und Persönlichkeit. Wir dürfen uns nicht abstumpfen lassen von den Zeitungs und Fernsehberichten, über Hungersnöte und Kriege. Wir müssen uns daran erinnern lassen, dass hinter Zahlen Menschenleben stehen/standen. Wir können was gegen diese Ungerechtigkeit tun, wir müssen es, dass steht in unserer Verantwortung. Und zwar jetzt, nicht morgen!

Um mit was schönen abzuschließen, es gibt mittlerweile bestimmt drei Familien die versuchen mich hier zu verheiraten :-) Mal sehen was daraus wird. Allerdings würde ich harte Bedingungen stellen, wie ich heute hörte. Die Frau müsste mir erlauben, auch mal zu kochen, dass wüssten sie nicht, ob das geht :-)

Gute Nacht

PS: Morgen brauche ich alle gedrückten Daumen für meine erste mündliche Prüfung!

Sonntag, 19. Oktober 2008

Aufarbeitung

Lange habe ich mich nicht gemeldet, stimmt. Warum? Viel war los, viele neue Menschen habe ich getroffen, neue Erfahrungen gesammelt, viele Bilder geschossen, gelacht, gegrübelt, geschlafen, getanzt, gelacht, besorgt geschaut ... es würde den Rahmen sprengen, hier alles ausführlich zu berichten, deswegen versuche ich eine kleine Auswahl blitzlichtartig wieder zu geben, damit ihr eine Idee von meinem Leben hier bekommt :-)

Anfangen will ich Ende September (wow so lange ist es her, dass ich nicht mehr geschrieben habe).

Nada, die algerisch-französische Mitbewohnerin ist ausgezogen, deswegen haben wir ein biesschen gefeiert, natürlich nicht, weil sie ausgezogen ist, sondern für ihren Abschied. Sie wollte noch ein paar Bilder von der Gegend mit ihr und uns machen.
Von Freunde


Daraus ist dann ne kleine Fotosession entstanden, hier in dem Album gibts mehr davon, wenns euch interessiert.

Freunde


Am 28.9. bin ich mit Aischa und Elana in den Golan gefahren. Wir haben uns dort ein bisschen umgeschaut, die Grenzen zum Libanon und zu Syrien begutachtet. Das ist schon was krass anderes, wenn man das mit den Grenzen in Europa vergleicht. Dort kann merkt man ja kaum, wenn man ein Land verlässt und ins nächste reist, wenn man Glück hat, sieht man noch ein Schild, "Herzlich Willkommen in ..." Hier sieht man Menschen, die mit einem Megaphon über die Grenze hinweg ihren Nachbarn oder Familien zu rufen.

Golan


Außerdem waren wir in Banias, wunderschöne Wasserfälle und an den Jordanquellen. Wasser ist hier im Land einfach immer wieder etwas besonderes. Man freut sich immer es zu sehen, besonders wenn es natürlich ist. Leider sind echt viele Quellen oder Bäche ausgetrocknet.

Elana sollte dann auch glatt verheiratet werden. Wie? Wir haben am Tag zuvor eine Familie im Golan kennen gelernt, die uns eingeladen hat. An sich keine Seltenheit, aber die Art der Fragen hat uns schnell verwundert. Ob sie verheiratet sei, welche Religion sie habe, wo ihre Eltern wohnen usw. Alles Fragen die nur auf eines schließen lassen. Im Verlaufe des Abends hat sich dann herausgestellt, dass sie den jüngeren Bruder heiraten sollte. Dessen erste Frau hat an diesem Tag ein Kind bekommen, voller Stolz zeigte er uns ein Bild von dem Baby welches er auf dem Handy hatte. Wir haben uns nur gefragt, was zur Hölle er bei uns macht, wenn seine erste Frau gerade ein Kind bekommen hat. Die Töchter der Familie waren alle aufgebrezelt wie sonst was, wir haben super Essen bekommen, die haben alles dran gesetzt, dass Elana bleibt. Wir haben es nur unter größten Anstrengungen geschafft uns irgendwann los zu reißen. Das war ein Abenteuer der besonderen Art.

Freitag den 10.10. war ich das erste mal bei einer jungen Frau eingeladen, war witzig, sie hatte mich in der Uni angesprochen, wir haben uns ein paar mal in der Uni gesehen, dann meinte sie ich solle mal ihre Familie besuchen kommen. Keine Sorge, ich werde nicht heiraten :-) Es war für mich nur schön, weil ich sonst eigentlich noch nie wirklich mit jungen Frauen in meinem Alter hier zu tun hatte und die weibliche Seite der palästinensischen Gesellschaft einfach ein ziemlich großes Fragezeichen für mich war bzw auch immer noch ist. Wir hatten witzige Unterhaltungen mit ihrer Mutter und ihren Schwestern, halb Englisch halb Arabisch. Irgendwann ist noch ihr Schwager gekommen, den ich in der Uni immer wieder gesehen habe. Ihr Vater war nur kurz da, ich weiß nicht ob er mich mochte oder nicht. Er ist Religionslehrer in Jerusalem. Als die ältere Tochter/Schwester, die schon verheiratet ist, anfing mich über Religion zu befragen hat er immer wieder etwas ungläubig geschaut als ich antwortete. Die anderen haben dann irgendwann gesagt, wir sollen aufhören über Religion zu diskutieren. Sie war sehr überzeugt vom Islam, auch wenn sie eine sehr moderate Auslegung vertrat.
Vor dem Essen gabs zwischen den Mädels und dem Vater noch eine kleine Diskussion, ob sie mit mir und dem Schwager zusammen essen dürften. Sie haben sich durchgesetzt. Ich hatte überhaupt das Gefühl, dass der Vater nicht so viel zu sagen hatte, bei vier Töchtern ist das wahrscheinlich auch nicht so einfach.

Von Freunde


Hier ein Bild von der ganzen Familie, dass darf bei solchen Besuchen natürlich nicht fehlen. Die mit dem grauen Oberteil hat mich eingeladen.

Von Freitag 10.10. bis Mittwoch hatte ich dann noch Besuch von Mirja. Wir haben uns letztes Jahr bei "walk your talk" kennen gelernt. Das war eine Jugendkonferenz in Israel und Palästina, organisiert von Freunden von uns.

Außerdem hatte ich am Donnerstag eine Präsentation über "Ethnische Säuberung" in Israel/Palästina während 47/48 zu halten. Ein krasses Thema, aber beeindruckend ist, dass der Autor der das Buch schrieb, auf dem meine Präsentation basierte, ein israelischer Historiker ist, Illan Pappe. Am Montag folgte dann noch eine Präsentation über Islamischen Feminismus in den 90er Jahren, nicht ganz so spannend, aber auch ok.

Wenn wir schon bei der Uni sind, meinen ersten arabisch Test im schreiben hatte ich schon, war ok, mit 16 von 20 Punkten bin ich zu frieden, mein Mitbewohner meinte aber, das nächste mal müssen es 20 von 20 sein. Mal sehen, mir waren die Noten halt noch nie so wichtig. Am kommenden Mittwoch folgt dann der erste mündliche Test, bin mal gespannt wie das wird.

So, noch ein paar Worte zur Olivenernte. Egal wo man im Moment hin kommt, es werden Oliven gepflückt, dass wird mehr oder weniger so den ganzen Oktober gehen, bei manchen bis in den November hinein. Aufgrund der Situation hier mit Militär und Siedler werden immer viele internationale Helfer gebraucht, sie schützen zum Teil die palästinensischen Farmer. Wir waren in einem Dorf in der Nähe von Nablus. Ich bin dann kurzfristig mit noch vier anderen über Nacht bei einer Familie geblieben. Dort haben wir noch mal ein paar krasse Eindrücke ins Dorfleben bekommen. Sie haben angeboten, mir 100 Olivenbäume zu schenken und mir eine Frau zu suchen, nur halb zum Scherz, sie meinten ich sei ein guter Farmer. Aber ich glaube das wäre dort nichts für mich. Dort ist die arabische Tradition doch noch zu stark, vor allem was Mann-Frau Beziehungen und deren Rollen anbelangt, dass könnte ich nicht akzeptieren bzw. würde ich nicht wollen, dass eine/meine Frau so leben müsste. Verstehst ihr was ich meine? Bei den beiden Familien bei denen wir geschlafen haben war dass schon irgendwie krass. Die beiden Frauen waren noch total jung, 22 und 21 und die ältere seit 6, die jüngere seit 5 Jahren verheiratet, ja ihr lest richtig! Die Ältere hat drei, die andere 2 Kinder, überlegt mal wie krass. Zum Glück ist das hier nicht überall so, es ist einfach ein riesen Unterschied zwischen Dorf und Stadt. Es ist aber nicht nur die Bildung die den Unterschied macht, die beiden Frauen machen ein Fernstudium, sind also nicht schlecht gebildet, auch die Eltern von den beiden Männern/Brüdern sind Lehrer an der lokalen Schule, der Vater hat in Jordanien studiert. Und umgekehrt findet man auch immer wieder, gerade Frauen z.B. aus Flüchtlingslagern die aus der Tradition ausbrechen, obwohl sie in wirklich bildungsfernen Umgebungen aufwachsen. Für mich als Außenstehenden ist es auf jeden Fall immer wieder spannend zu beobachten.

Heute haben wir einen Vortrag über Palästinensische Gefangene in israelischen Gefängnissen gehört. Mal zu hören, was die "Einzige Demokratie" im Nahen Osten im 21. Jahrhundert mit im Moment ca. 11.000 Palästinensern macht, diese Zahl ist im Gefängnis. Allerdings war fast jeder Mann über 20 hier schon kürzer oder länger im Gefängnis. D.h. zu jeder Familie zu der du kommst gibt es eine ganze Menge krasse Geschichten. Seit Ende der 70er Jahre ist es nicht mehr so stark physische Folter, viel mehr psychische Folter. Das sagen israelische Friedensorganisationen. B'tselem Oft wird mit der Verhaftung von Familienmitgliedern gedroht, oder das ausziehen von weiblichen Familienmitgliedern vor Männern oder Mütter/Schwestern von Gefangen werden zum Gefängnis gebracht und missbraucht, so lange bis es Geständnisse gibt. Alles Sachen die in der 4 oder 5 Genverkonvention nach internationalem Recht verboten sind. Israel hält sich nicht daran. Die Geschichten sind bekannt, z.B. im Europäischen Parlament in dem es 2000 und 2005 Vorträge über pal. Gefangene gegeben hat. Vor drei Wochen haben 20 Botschafter eine Tour mit Stop the Wall gemacht, d.h. die sie wissen ganz genau was die Mauer für die Palästinenser bedeutet. Aber unternommen wird nichts.

So genug lamentiert, ich fühle mich zwischen den Menschen trotzdem wohl, auch wenn ich mich immer wieder rechtfertigen muss, warum ich hier her komme und nicht in Deutschland bleibe, dort sei es doch viel schöner.

Ich hoffe dass ich ab jetzt wieder öfters zum schreiben komme und ihr nicht immer so nen krassen brocken lesen müsst :-)

لُكَس